Berlin : Die Hauptstadt bietet nur 187 barrierefreie Möglichkeiten zur Übernachtung

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Für die Rollstuhlfahrer vom Verein Movado ist es eine eher ernüchternde Bilanz: Am Ende des Jahrhunderts sind in Berlin nur 187 Hotel-Zimmer für behinderte Menschen zugänglich. 80 davon seien erst nach Januar 1996 enstanden, nachdem die entsprechenden Vorschriften in die Bauordnung aufgenommen wurden. Zu Silvester ein geeignetes Zimmer zu finden, sei für Rollstuhlfahrer deshalb fast unmöglich, erklärte am Dienstag der Verein, der sich mit 70 Mitarbeitern für ein "barrierefreies Berlin" engagiert.

Und noch ein paar Zahlen: Zum Jahreswechsel sei nur jede fünfte öffentliche Einrichtung leicht zugänglich. In Kreuzberg und Wilmersdorf träfe das für jede zehnte Einrichtung zu, in Hellersdorf oder Marzahn für die Hälfte der Bauten. Am schwierigsten sei die Situation in Bezirken mit hohem Altbauanteil, wo nur wenige Stufen am Eingang unüberwindbare Hindernisse darstellen. Am schlechtesten seien Hotels, Gaststätten und private Praxen ausgestattet. Nur 210 Gaststätten sind in Berlin nach Einschätzung von Movado-Sprecherin Irina Pfützenreuter für Rollstuhlfahrer nutzbar. Lediglich 40 von ihnen seien behindertengerecht ausgestattet. Denn auch ein breiter Eingang nützt nicht viel, wenn etwa die Toilettentür zu schmal ist. Gut abgeschnitten haben dagegen Banken und Sparkassen in Berlin. Rund die Hälfte von ihnen ist für Rollstuhlfahrer problemlos zugänglich. Inzwischen können Rollstuhlfahrer auch hinauf auf den Fernsehturm in Mitte, die Reichstagskuppel ist ebenso erreichbar, teilte der Selbsthilfeverband Körperbehinderter mit.

Regelmäßig veröffentlicht der Verein movado Faltblätter und Hefte, die Rollstuhlfahrern Hinweise zur problemlosen Fortbewegung in der Stadt geben. "Kinos ohne Barrieren", heißt das neueste Heft, das unter der Telefonnummer 471 51 45 bestellt werden kann. "Die Tücken liegen oft im Detail", sagt Andreas Maydorn vom Verein. Selbst wenn der Eingang rollstuhlgeeignet ist, scheitern die Fahrer häufig an der schmalen Tür des Aufzuges. Das größte Informationsangebot bietet eine Datenbank mit Angaben zu mehr als 50 000 Einrichtungen in allen Bezirken. Regelmäßig kommen neue Tipps hinzu, veraltete werden herausgenommen. Ein Angebot droht jedoch wegzufallen: "Wir stehen kurz davor, die Arbeit mit dem Internet-Angebot der Stadt "berlin.de" aufzugeben", sagt Irina Pfützenreuter. Statt der bisher drei Stellen, sei in diesem Jahr nur eine bewilligt worden. "Nun frage ich mich, ob es im nächsten Jahrhundert eine behindertegerechte Metropole geben wird."

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