Die Hauptstadt und die Welt : Die größten Berlin-Fans wohnen in China

Eine Studie im Auftrag der „Berlin Partner“ sieht weltweit wachsende Zustimmung zur deutschen Hauptstadt. Selbst der Berliner hat wenig zu meckern.

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Gern gesehene Gäste. Chinesische Touristen lieben Berlin.
Gern gesehene Gäste. Chinesische Touristen lieben Berlin.Foto: Imago

Wir Berliner möchten so gern von aller Welt geliebt werden, für unseren rauen Charme, unsere planvolle Hast und herzhafte Ehrlichkeit. Und was passiert? Die Welt tut genau das.

Nun ja: In Maßen, nicht immer, aber immer öfter. Nehmen wir China: Dort bewerten ausgesuchte Entscheider das Image der Stadt aktuell zu 97 Prozent als positiv oder sehr positiv. Das ist möglicherweise damit zu erklären, dass man dort noch nie von den Problemen eines gewissen Großflughafens gehört hat, aber es ist nun einmal so. Keine Behauptung, sondern Ergebnis einer Infratest-Dimap-Studie mit Antworten von Multiplikatoren in acht Ländern, die „Berlin Partner“ am Dienstag mit dem gebührenden Stolz vorgestellt hat.

Berlin liegt weiter im Trend

Diese Länder sind neben China Frankreich, Polen, Russland, Großbritannien, Spanien, Japan und die USA. Und der durchweg als positiv gewertete Trend entspringt dem Vergleich mit einer zehn Jahre alten Berlin-Partner-Studie. Nicht alle Befragten denken demnach so liebevoll über Berlin wie die Chinesen, aber insgesamt finden 28 Prozent der Befragten das Image der Stadt sehr gut, 50 Prozent gut. Fragt man die Berliner Bevölkerung selbst – der zweite Teil der Studie – , sind sie nicht ganz so überschwänglich wie die Welt: Sie bringen es nur auf 18 und 58 Prozent.

Der Wirtschaftsstandort schwächelt noch

Die Fragen betreffen aber nicht nur das allgemeine Bild Berlins im Ausland, sondern auch thematische Schwerpunkte. So gilt Berlin zwar immer noch nicht wirklich als attraktiver Wirtschaftsstandort, da 28 Prozent Zustimmung zu diesem Begriff allenfalls als qualifizierte Minderheit gelten können. Vor zehn Jahren waren es allerdings nur 22 Prozent. Schöner sehen die Zahlen aus, wenn es um die Frage geht, ob die Betreffenden sich denn Berlin als erste Wahl für eine Unternehmens-Verlagerung vorstellen könnten – da sind 68 Prozent Ja-Antworten zusammengekommen, 27 Prozentpunkte mehr als 2007.

Ganz ähnlich sehen die Zahlen bei der Frage aus, ob man sich denn persönlich vorstellen könne, in Berlin zu leben und zu arbeiten. Interessant ist dabei, dass dabei noch andere Zahlen aus 2010 und 2014 verfügbar sind, die auf einen ähnlich hohen Stand schon 2010 hindeuten, während es 2014 einen kleinen, inzwischen überwundenen Einbruch gab.

Aus den Daten der Studie ergibt sich ferner, dass die Stadt eine Art Scheinriese ist und unter europäischen Entscheidern etwas schlechter wegkommt als bei den Bürgern Europas. Dass sie nämlich Weltniveau habe, finden in Europa nur 25, weiter draußen aber 35 Prozent der Befragten. „Globale Bedeutung“ messen Berlin in Europa 22 Prozent der Befragten zu, weltweit sind es aber 35 Prozent. Bei den insgesamt weniger hoch bewerteten Stichworten „hohe Lebensqualität“, „multikulturell“, „weltoffen“ und „urban“ gleichen sich die Zahlen dagegen weitgehend an auf Anteile um die 27 Prozent.

So sieht es der Berliner

Aber auch die Berliner selbst wurden ohne Eingrenzung auf Entscheider befragt nach ihrem Bild der eigenen Stadt und ihrem Lebensgefühl, und sie sind längst nicht so mäkelig, wie man ihnen immer nachsagt: 31 Prozent der Befragten fühlen sich der Stadt sehr stark, 46 stark verbunden, nur fünf Prozent sagten schroff: „Überhaupt nicht“. Sehr wohl fühlen sich 38, wohl 45 Prozent. Als wirtschaftliche Stärken der Stadt wurden genannt: „Steht für Start-ups“ (62 Prozent), „ist auf Wachstumskurs“ (39 Prozent) „hat eine gute Wissenschaftslandschaft“ (34 Prozent) und „bietet beste Ausbildungsmöglichkeiten“ (25 Prozent).

Als führender Standort für die digitale Wirtschaft wird Berlin allerdings nur von elf Prozent der Befragten wahrgenommen, das zeigt sicher auch gravierende politische Versäumnisse. Und auch das ist sicher ein negativer Punkt: nur 17 Prozent der Berliner können sich dazu aufraffen, die individuellen Entfaltungsmöglichkeiten, die Berlin seinen Bewohnern anbietet, positiv zu nennen.

Stefan Franzke, der Geschäftsführer von Berlin Partner, zieht erwartungsgemäß ein positives Fazit der Umfrage: Die weltweite Imagekampagne der Stadt seit 2008 habe dazu beigetragen, Berlin mit seinen Stärken als lebenswerte Stadt international „stabil zu positionieren“.

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