Berlin : Die Heimkehr der Gebrüder Grimm

Eine sehr mobile Theatertruppe bringt die berühmten Märchendichter ins Glashaus der Arena

Elisabeth Binder

Einer muss heiraten. Aber wer? Die Brüder Grimm haben beide keine rechte Lust, andererseits brauchen sie dringend eine Frau im Haus, die wäscht und kocht und putzt. Die Droste vielleicht, die Dichterin aus dem Münsterland? Bloß nicht: „Mit einer Frau, die schreibt, kann keiner glücklich werden. Die handelt gegen ihre Natur.“ Die praktischer veranlagte Dorothea, genannt Dortchen, erhält schließlich einen denkbar unromantischen Heiratsantrag von Deutschlands berühmtesten Märchenerzählern.

Anderswo auf der Welt ist das Stück „Die Brüder Grimm“ längst Kult. In Estland haben die Zuschauer gestaunt. „Wir hatten keine Ahnung, dass die Brüder Grimm so arm waren.“ In der Schweiz, in Finnland, in Polen, überall fand es interessierte Zuschauer. In den kommenden Monaten wird es nun auch in Berlin gespielt.

Das den weltberühmten Märchensammlern Jacob Grimm (1785 - 1863) und Wilhelm Grimm (1786 - 1859) gewidmete Theaterstück verbreitet Wärme, „weil es Menschen nicht zynisch und verzweifelt sieht, sondern einen liebevollen Blick auf sie wirft. Das ist der Grund, warum es im Ausland so gut angekommen ist“, glaubt Norbert Kentrup, der Gründer von „Shakespeare und Partner“ und Lebensgefährte der Autorin Dagmar Papula.

Vor fünf Jahren haben sie das Stück schon einmal vor begeistertem Publikum in der Landesvertretung Bremen gespielt. Nach sieben Reisejahren erfüllen sich die beiden nun einen alten Traum und kommen mit ihrem Theater auf längere Zeit nach Berlin. Die Konkurrenz fürchten sie nicht. Das Hauptgeschäft der Theatertruppe sind ohnehin Gastspielreisen. Mittelfristig können sie sich auch eine eigene Spielstätte vorstellen. Shakespeare-Experte Norbert Kentrup war beteiligt an der Errichtung vom Neusser Globe-Theater, das dem Shakespeare-Theater in einer kleinen Version für 600 Leute nachgebaut wurde. Mit Subventionen rechnet er nicht. Öffentliche Mittel gibt’s nirgendwo mehr, aber das ist für ihn kein Grund, sich einschüchtern zu lassen. Berlin, wie er die Stadt sieht, „verlangt Mut und Abenteurergeist“. Beides besitzen die Theatermacher – und Erfahrungen dazu. „Wir haben so viel gemacht, wir müssen uns nicht verrückt machen lassen.“

Den 57-Jährigen und die 59-Jährige verbindet neben vielem anderen eine originelle Geschichte. Sie wurden einst in Düsseldorf vom selben Arzt entbunden, im selben Krankenhaus. Das haben sie aber erst viel später festgestellt. Von 1968 bis 1983 waren sie Ensemblemitglieder verschiedener Stadt- und Staatstheater, unter anderem in Bochum und Zürich. 1983 gehörten sie zu den Gründern der Bremer Shakespeare Company.

„Die Brüder Grimm“ gehört zu ihren größten Erfolgen. Alle kennen die Märchen, aber nur wenige die Geschichte der Brüder, die sich eigentlich nie trennen und ihr Leben ganz der Wissenschaft weihen wollten. Aber das Leben stellte ihnen immer wieder neue Herausforderungen in den Weg. Bettine von Arnim gelang es schließlich, den Brüdern einen Ruf an die Humboldt-Universität zu verschaffen. Dem zu folgen, auch davor grauste es den hier komisch verknöchert dargestellten Brüdern zunächst: „Berlin ist eine nicht überwundene Krankheit."

Kentrup und Papula sind da positiver. Sie sind sich sicher: „Hier leben Menschen, die das Stück mögen werden.“

16 Vorstellungen ab 13. Dezember bis zum 11. Februar im Glashaus der Arena. Karten unter Tel. 533 2030, Infos unter www.diebruedergrimm.de

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