Berlin : Die Herren der Tiere: 428 000 Mark für zwei neue Zoo-Direktoren

Katharina Körting

Der Zoo kommt nicht zur Ruhe. Die Erweiterung des Vorstandes der Aktiengesellschaft von zwei auf vier Mitglieder und der Einzug des Biologen Heiner Klös in das Gremium (wir berichteten) bereitet vielen Magenschmerzen. "In der Belegschaft herrscht große Unruhe" sagt Raimon Opitz, Betriebsratsvorsitzender und Affenpfleger. "Die Lage ist prekär." Seine Kollegen munkeln von Geldverschwendung und Vetternwirtschaft. Denn der Vater des neuen stellvertretenden Zoodirektors Klös ist Altdirektor Heinz-Georg Klös. Er wohnt auf dem Gelände und sitzt im zwölfköpfigen Aufsichtsrat.

Dessen "Machtgehabe nach Gutsherrenart" müsse endlich aufhören, fordert ein Mitarbeiter. Namentlich will niemand genannt werden, weil die neue Chef-Etage ihre Angestellten zu Stillschweigen verpflichtet hat - andernfalls droht Kündigung. Doch hinter vorgehaltener Hand wird die Kompetenz von Heiner Klös, der nach eigenen Angaben beabsichtigt, in zwei Jahren Zoodirektor zu werden, bezweifelt. Der 41-Jährige war bis zu seiner Ernennung Prokurist und ist nicht gut gelitten bei seinen nunmehr Untergebenen.

Unzufriedenheit herrscht auch, weil der Aufsichtsrat mit seiner Entscheidung den bisherigen stellvertretenden Zoodirektor Peter Rahn völlig übergangen hatte. Rahn erhielt nicht nur keinen Posten im erweiterten Vorstand, sondern wurde auch seiner Stellvertreter-Position enthoben. Drei Protestbriefe von Kollegen an den Aufsichtsrat blieben unbeantwortet. "Die Sache ist ein abgekartetes Spiel, um Klös den Weg freizumachen", mutmaßt einer der rund 250 Zoo-Mitarbeiter. Opitz stellt folgende Frage laut: "Warum wird der Vorstand erweitert, während alle anderen sparen sollen?" 214 000 Mark Gehalt im Jahr erhält ein Vorstandsmitglied. Das sind in diesem Fall 428 000 Mark personalbedingte Kosten für zwei neue Direktoren.

Der Zoo, der im vergangenen Jahr rund 2,5 Millionen Besucher hatte, erhielt allein in diesem Jahr sieben Millionen Mark Zuschuss vom Senat, wird also mit Steuern subventioniert. Der Tierpark in Friedrichsfelde, eine hundertprozentige Tochter der Zoo-AG, bekam sogar 17,6 Millionen Mark. Außerdem gewährte die Stiftung Deutsche Klassenlotterie dem Unternehmen seit 1993 knapp 20 Millionen Mark für das Haifischbecken, das Flusspferdhaus und das Gehege der tropischen Wildschweine. Über einen weiteren Betrag zur Mitfinanzierung der Pinguinanlagen entscheidet die Lotto-Stiftung in der kommenden Woche. "Die Erweiterung des Zoo-Vorstands ist völlig unangemessen", meint denn auch Günter Brinker vom Bund der Steuerzahler. "Das muss sofort rückgängig gemacht werden."

Auch der haushaltspolitische Sprecher der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, Alexander Kaczmarek, hält die geplante Maßnahme nicht für sinnvoll: "Jede Aufblähung des Personalapparates ist für den Zoo kontraproduktiv."

Aus der Senatsfinanzverwaltung, die über Zoo und Tierpark die Fachaufsicht hat, sickerte inzwischen die Vermutung durch, dass es sich bei der Vorstandserweiterung nur um eine Übergangslösung handele. Wenn jemand ausscheidet, werde der freie Vorstandsposten nicht besetzt. Das könnte dann auf das Ziel hinweisen, Klös jun. auf diesem Wege zum Direktor zu machen.

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