Berlin : Die Hitze geht, der Sommer bleibt

Warm am Tag, kühl in der Nacht: Jetzt wird es richtig angenehm

Björn Seeling

Man möchte meinen, Berlin steht vor einer neuen Eiszeit: frösteln allerorten, nur weil die Meteorologen von Donnerstag an kühleres Wetter voraussagen. Nun mal halblang! Denn höchstens die Nachteulen werden zu Frostbeulen. Tagsüber bleibt es sommerlich warm, im Durchschnitt sogar zwei bis drei Grad über normal, wie Donald Bäcker vom privaten Wetterdienst Meteomedia sagte. 25 Grad sind in Berlin allemal drin. Anfang nächster Woche könnte es auch schon wieder wärmer werden. Was ist man doch verwöhnt…

Aber wie gesagt: Nur mit der Hitze in der Nacht ist es vorerst vorbei. Das heißt nun wiederum nicht, dass die gute Biberbettwäsche von Oma bereit gelegt werden muss. Denn die erwarteten Höchsttemperaturen von 15 Grad sind zwar im Vergleich zu den vergangenen 20 Grad der vergangenen Hitzezeit recht frisch. Aber „kalt“ ist ja wohl was anderes. Schon vergessen, wie es am 9. Januar 2003 war? Mit minus 14,9 Grad war es der frostigste Tag des Winters.

Wie kommt es nun, dass es nachts nicht mehr ganz so kuschelig ist? Eine Ursache sind die verschiedenen Herkünfte der Luftmassen. In den zurückliegenden Wochen bekam Berlin den heißen Atem Südeuropas zu spüren. Von Spanien über Frankreich strömte die Hitze nach Deutschland. Jetzt weht ein anderer Wind, und zwar ein frischer von der Nordsee. Was soll’s? Dann gibt’s eben Sylt- statt Mallorcafeeling, und dass sich die Oberfläche der Spree mal ein bisschen kräuselt, ist ja auch nicht schlecht. Der Fluss sah ja schon aus wie ein langgezogener Goldfischteich.

Ein zweiter Grund für die relativ frischen Nächte ist, dass sich Häuser, Straßen und Plätze von nun an tagsüber nicht mehr so stark aufheizen können. Die Energie dieser überdimensionalen Wärmespeicher reicht dann nicht mehr aus, die Nachtluft auf spaghettiträgertaugliche Temperaturen zu bringen. Aber es muss ja schließlich nicht immer schulterfrei sein. Nach 30 Hitze-Tagen ist es einfach auch mal wieder an der Zeit, das Kleiderschrank-Verlies für andere Textilien zu öffnen.

Ein Utensil braucht jedoch nicht wieder eingepackt zu werden: die Grillschürze. Es soll weiter trocken bleiben, sagen die Wetterkundler voraus. Nur hie und dort könnten ein paar Tropfen durch den Grillrost fallen. Mehr als kurze Schauer müssen die Liebhaber der Steak- und Würstchenkokelei in gemütlicher Runde nicht fürchten. Aber wer hätte auch Landregen mitten in der Stadt erwartet?!

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