Berlin : Die Hüllen sind gefallen

Das Geschenk zum Einheitsfest: Brandenburger Tor mit spektakulärer Aktion ausgepackt / Hunderttausende drängten sich rund um Pariser Platz

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Die Flugbedingungen waren ideal. Der Wind hielt still. Zum krönenden Abschluss der Feiern zum Tag der Deutschen Einheit bekam Berlin seine Bescherung: Pünktlich um 20.30 Uhr schwebte der Sportmode-Hersteller Willy Bogner am Helium-Ballon zum Brandenburger Tor hinauf und hangelte sich am Reißverschluss der Werbeplane abwärts. Unter dem Jubel zehntausender Zuschauer fielen die Hüllen. Das Brandenburger Tor steht wieder in voller Pracht am Pariser Platz. Zwei Jahre lang war der Sandsteinbau restauriert worden, nun sieht er aus wie neu.

Schon Stunden vor der spektakulären Enthüllung des Nationalsymbols war der neu gepflasterte Pariser Platz mit Menschen überfüllt. Weitere Schaulustige drängten nach, doch rund 700 Polizisten sicherten die abendliche Abschlussveranstaltung der Feiern und ließen niemanden mehr an den Absperrungen vorbei. Mehrere zehntausend Zuschauer hatten sich zur großen Party auf dem Pariser Platz versammelt. Showmaster Götz Alsman führte durch das Bühnenprogramm mit Musikbands und Artisten aus 23 Ländern, darunter die Schöneberger Sängerknaben und Nena. Zum Finale der OpenAir-Party trat die Operndiva Montserrat Caballé auf. Vor dem großen Akt der Enthüllung des Tores versammelten sich Bundespräsident Johannes Rau, Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sowie Lothar de Maizière, der letzte DDR-Ministerpräsident, auf der Bühne, um den Ehrengast aus Amerika, den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, willkommen zu heißen.

Wowereit dankte Clinton für die Unterstützung Amerikas bei der Vereinigung Deutschlands. „Heute ist das Tor ein Symbol der Einheit für Deutschland und ein Symbol der Hoffnung auf Freiheit für alle Völker der Welt“, sagte Clinton, nachdem er von Wowereit einen Stein des Brandenburger Tores als Geschenk erhalten hatte. Bereits am Nachmittag hatten hunderte Menschen die Ausgänge des Hotels Adlon belagert, um den Ex-Präsidenten in seiner Berliner Unterkunft zu begrüßen.

Insgesamt 750 000 Menschen waren am Donnerstag bei sonnigem Herbstwetter auf Berlins Straßen unterwegs und hatten an den zahlreichen Veranstaltungen zum Tag der Deutschen Einheit teilgenommen. Begonnen hatte der Tag mit einem offiziellen Festakt im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt und einem Festgottesdienst im Berliner Dom. Rund ums Brandenburger Tor verbreiteten hunderttausende Besucher Volksfeststimmung zwischen Buden und Ständen der Bundesländer. Zum 12. Tag der Deutschen Einheit, an dem erstmals seit 1990 das Land Berlin die zentrale Feier ausrichtete, schien die Sonne gnädig herab auf das riesige Spektakel, die Menschenmassen drängten von Osten wie von Westen aufeinander zu – welch Sinnbild an diesem Tag. Stephan Wiehler

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