Berlin : Die Hüllen sollen fallen

Stiftung Denkmalschutz bietet nach Kritik Einsicht in Unterlagen an Transparency International wartet auf Termin, um Papiere zu prüfen

Christoph Lemmer

Die Korruptionsschützer der Organisation Transparency International begrüßen das Angebot der Stiftung Denkmalschutz, Einsicht in die Finanzunterlagen zu nehmen. Transparency will damit Kritik am Geschäftsgebaren der Stiftung auf den Grund gehen. Dabei geht es vor allem darum, dass die Stiftung öffentliche Bauwerke restauriert, zur Finanzierung großflächige Werbung anbringen darf, nach Ansicht ihrer Kritiker ihre Zahlen aber nicht ausreichend offen legt.

Nach Darstellung des Transparency-Mitarbeiters Thomas Maibaum warte man seit mehreren Wochen vergeblich auf einen Termin. Der Stiftungsvorstand habe ihm angeboten, die Zahlen zu begutachten, und gleichzeitig um Zeit gebeten, die Unterlagen vorzubereiten. Stiftungsvorstand Christian Melcher meinte dagegen auf Anfrage, Maibaum sei auf das Angebot der Stiftung, die Unterlagen einzusehen, bisher nicht eingegangen. Gleichzeitig nannte er Anfang Juni als günstigen Zeitpunkt, weil die Stiftung dann vor dem Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses Rede und Antwort stehen werde. Bis dahin sei alles vorbereitet.

Die Stiftung Denkmalschutz hat zurzeit mehrere Projekte für die Restaurierung von öffentlichen Baudenkmälern in Arbeit. Mehrfach im Gespräch waren in letzter Zeit das Strandbad Wannsee und das Charlottenburger Tor. Beide Projekte sind werbefinanziert. Das Charlottenburger Tor ist derzeit großflächig mit Handy-Werbung verhüllt, die quer über die Straße des 17. Juni reicht. Für das Strandbad Wannsee wurden an zahlreichen Plätzen in der Stadt spezielle Werbeflächen auf Bürgersteigen aufgestellt, die an Buddelkästen oder Segelschiffe erinnern und an deren Masten Plakate hängen.

Transparency International und die grüne Abgeordnete Claudia Hämmerling haben kritisiert, dass die Stiftung nur unzureichend Auskunft über Einnahmen und Ausgaben erteilt. Überdies veröffentliche sie bei der Vergabe von Aufträgen ihre Ausschreibungskriterien nicht.

Zusätzliche Kritik an der Stiftung gibt es neuerdings auch vom Landesdenkmalrat. Sie bezieht sich auf die Restaurierung des Schoeler-Schlösschens an der Wilhelmsaue in Wilmersdorf. Die Stiftung plant den Abriss des obersten Stockwerks, das 1934 auf das barocke Gebäude aufgesetzt worden war. Eine „Entnazifizierung der Steine“ sei Unsinn. Stiftungsvorstand Helmut Engel müsse als ehemaliger Landeskonservator am besten wissen, dass „ein solches Vorgehen gegen alle fachlichen Grundsätze der wissenschaftlich fundierten Denkmalpflege“ verstoße.

Claudia Hämmerling vermutet, auch hier gehe es um Geld, weil der Abriss der obersten Etage billiger sei als die Restaurierung des Gesamtgebäudes. Melcher wies das zurück. Die Stiftung habe sich von vorneherein nur zur Wiederherstellung des Barockgebäudes verpflichtet. Er räumte ein, dass der Umgang mit der nachträglich aufgesetzten Etage umstritten sei, die Stiftung aber auch unabhängige Fachleute auf ihrer Seite habe.

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