Berlin : Die Hürriyet-Garantie für den zweiten Pass

Suzan Gülfirat

GAZETELER RÜCKBLICK

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Die Hürriyet rührte letzte Woche kräftig die Werbetrommel für eine „Service-Leistung“. In Punkto doppelte Staatsbürgerschaft herrsche unter den Türken große Unsicherheit, schrieb das Blatt. Tatsächlich haben viele, die sich vor dem 1. Januar 2000 (also vor dem Inkrafttreten des neuen Staatsbürgerschaftsrechts) einbürgern ließen, nach dem sie den deutschen Personalausweis hatten, wieder zusätzlich die türkische Staatsbürgerschaft angenommen. Das alte Recht schrieb zwar vor, dass der Einbürgerungswillige seine bisherige Staatsbürgerschaft aufgeben muss, aber nicht, dass er sich nicht eine zweite Staatsbürgerschaft zulegen darf. Im neuen Recht steht jetzt deshalb, dass Deutsche automatisch ihre bisherige Staatsbürgerschaft verlieren, wenn sie ohne Wissen der Behörden eine zweite Staatsbürgerschaft annehmen. „Viele Türken, die sich vor dem 1. Januar 2000 einbürgern ließen, haben nun Angst, dass sie keine deutschen Staatsbürger mehr sind“, erklärte die Hürriyet und legte in ihre Sonnabend-Ausgabe diese „Garantie-Karte“ bei. Das DIN-A5 große Papier kann man zusammenklappen wie eine Glückwunschkarte, so dass es die Größe eines Reisepasses bekommt. Im Innenteil wird dann auf der linken Seite auf Türkisch die Gesetzeslage erklärt und auf der rechten Seite sind einige Antwort-Briefe von Behörden auf entsprechende Anfragen der letzten Jahre abgedruckt, wie zum Beispiel der Senatsverwaltung für Inneres. „Ein Verlust der deutschen Staatsbürgerschaft ist (…) unter Berücksichtigung des § 25 Abs. 1 des Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes (…) nicht eingetreten. Sie werden im Landeseinwohneramt künftig mit deutscher und türkischer Staatsbürgerschaft geführt.“

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