Berlin : Die Insignien der Macht

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„Quam arte optica – mittels der optischen Kunst“: Joh. Bernhardus Schultz wollte Zweifel an der Detailtreue seiner Stadtansicht gar nicht erst aufkommen lassen, wie der Hinweis in der Titelkartusche oben links andeutet. Für das VogelschauPanorama, Kunsthistoriker sprechen von Vedute, wählte er einen luftigen Standort etwa über dem heutigen Hausvogteiplatz. Zu seinen Füßen breitete sich die unter dem Großen Kurfürsten neu erblühte Stadt aus. Wahrscheinlich hatte Friedrich Wilhelm, aus dessen Todesjahr 1688 der Kupferstich stammt, noch selbst den Auftrag dazu gegeben. Die Insignien seiner Macht – der Kurhut, der über der Kartusche schwebt und Brandenburgs Adler bekrönt, sodann das Wappenschild mit dem Zepter in dessen Fängen – deuten dies an. Genau genommen waren es vier Städte, die Schultz abzubilden hatte: die ursprüngliche Doppelstadt Berlin-Cölln mit den Fixpunkten Schloss (Nr.1), Marienkirche (Nr.21, knapp darüber) und Nikolaikirche (Nr.22, schräg rechts), ergänzt um die neuen Residenzstädte Friedrichswerder (zwischen Spreekanal und Festungsmauer; Stadtrecht 1669) und Dorotheenstadt (beidseitig des mit Baumreihen bepflanzten Reitweges unten links, woraus später der Boulevard Unter den Linden wurde; Stadtrecht 1674). Einer der ersten beiden Bürgermeister von Friedrichswerder wurde Johann Gregor Memhardt, der 1652 den ersten Stadtplan von Berlin-Cölln gezeichnet und die Festungsanlage entworfen hatte. Nahe der Hundebrücke (Nr. 40; später: Schlossbrücke) hatte er das erste Haus am späteren Boulevard gebaut, allerdings mussten die ersten Baumreihen der Stadtbefestigung bald geopfert werden. Später entstand aus Memhardts Haus die Stadtkommandantur. Die als „Schiff:bauerey“ bezeichnete Marinewerft (Nr. 48) ist als leere Fläche in der linken oberen Ecke der Dorotheenstadt verzeichnet, nördlich der Dorotheenstädtischen Kirche, in der der Werftbaumeister Michael Mathias Smids die letzte Ruhe fand. Im Krieg schwer beschädigt, wurde die Kirche 1965 abgetragen. ac

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