Berlin : Die Invasion der Baumeister

NAME

Von Holger Wild

Lottomittel? Gab’s nicht. Der Hauptstadtkulturfonds? Schickte eine Absage. Der Senat? Hat kein Geld. Berlin, das sich so gerne mit den vielen Bauprojekten der letzten Jahre schmückt – brachte keinen Pfennig auf zur Förderung der größten Architektur-Veranstaltung, die es in der Stadt je gegeben hat.

Rund 6000 Architekten, Stadtplaner, Ingenieure und Studenten erwartet die UIA – die Internationale Architekten-Union – von Montag bis Freitag der kommenden Woche zu ihrem XXI. Weltkongress im ICC. Es ist das erste Mal, dass diese Generalversammlung der bauenden Zunft in Deutschland stattfindet. Immerhin begleiten zahlreiche Berliner Institutionen, Museen und Galerien den Kongress mit Ausstellungen und Vorträgen; oder, wie der Präsident des Kongresses, Andreas Gottlieb Hempel sagt: „So voll von Architekturveranstaltungen war diese Stadt noch nie“. Und sie wenden sich keineswegs alle nur ans Fachpublikum.

Am Montagnachmittag stellt zunächst die UIA ihre Arbeit vor. Sie vereint 1,2 Millionen Architekten aus 95 Ländern. Am Dienstag dann wird der Kongress offiziell mit einer Ansprache von Bundeskanzler Schröder eröffnet. Dann geht es weiter mit Foren, Werkstattgesprächen und Plenarvorträgen, die unter dem sehr weit gefassten Titel „Ressource Architektur“stehen. Denn die Ressourcen an Material, Geld und Raum sind heute nicht mehr nur in den Entwicklungsländern begrenzt – nur eine Ressource, so Kongresspräsident Hempel, wird immer unbeschränkt zur Verfügung stehen: „der menschliche Geist, die Imagination, die Fantasie“.

Doch findet der Kongress ja nicht umsonst in Berlin statt. Architekten aus aller Welt haben seit der politischen Wiedervereinigung der Stadt an ihrem auch baulichen Zusammenwachsen mitgewirkt. „Berlin ist das architektonische Kapital, mit dem wir auf diesem Kongress wuchern wollen“, sagt Hempel. Halbtägige Fachexkursionen führen die Teilnehmer zu den Regierungs- und Parlamentsbauten, in die Friedrichstadt oder die City-West, in die Großsiedlungen oder zu den neuen Botschaften und Landesvertretungen. Zudem werden Ausflüge nach Potsdam oder ins Pergamonmuseum angeboten.

Oder die Architekten spazieren zwischen den Vorträgen und Diskussionen ins Messegelände hinüber – dort findet parallel zum Kongress die „Plancom“ statt – die „Fachmesse für Planende Berufe im Bauen“.

Weitere Informationen unter Tel. 2787 3440 und bei www.uia-berlin2002.com

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben