Berlin : Die Jahrhunderttruppe

Renate Holm, Ingeborg Krabbe, Claus Biederstaedt und Wolfgang Spier sind die Akteure der neuen Komödie „Ach Du lieber Geist …“

Heidemarie Mazuhn

Zusammen sind sie über 300 Jahre alt: der Regisseur und die drei Hauptdarsteller von „Ach, du lieber Geist…“ So heißt die Komödie von Simon Williams, die am 13. Juni im Theater am Kurfürstendamm ihre deutschsprachige Erstaufführung hat. Schauplatz der Handlung ist „Dünenblick“ – eine Seniorenresidenz für Schauspieler. In der spielen Renate Holm, Ingeborg Krabbe und Claus Biederstaedt unter Regie von Wolfgang Spier – allesamt selbst potenzielle Altersheimklientel. Wenn sie denn wollten.

Renate Holm denkt nicht mal an so was. Vor zwei Jahren feierte die gebürtige Berlinerin ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. Zum Privatisieren fühlt sie sich trotz ihrer Verabschiedung von der Opernbühne noch immer zu jung. Bis Weihnachten ist sie auch dieses Jahr ausgebucht – da singt sie in der Gala „Christmas in Vienna“. Wien ist seit Jahrzehnten die Wahlheimat der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichneten Sängerin. Als „wienerischste Berlinerin“, die je an der Donau sang, wurde sie dort gefeiert. Nahe Wien ist auch ihre geliebte Schlossmühle – stadtbekannt als Refugium für Kunst, aber auch als Asyl für Tiere. Das alles ist aber für die Kammersängerin der Wiener Staatsoper kein Anlass, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Immer wieder bricht sie zu neuen Ufern auf – getreu ihrem Lebensmotto: „Höre nie auf, anzufangen, fange nie an, aufzuhören“. Der Spruch hängt daheim neben dem Bild ihres einstigen Förderers Herbert von Karajan. Zum letzten Mal spielte sie in der Komödie am Ku’damm vor 15 Jahren . Hatte sie damals Georg Thomalla in „Miniaturen“ von Curt Goetz als Partner, so ist es in dem aktuellen Stück „Ach, du lieber Geist“ ihr Schauspielerkollege Claus Biederstaedt.

Der „nette junge Mann des deutschen Nachkriegslustspiels“ – Star in Filmen der 50er wie „Feuerwerk“ mit Romy Schneider oder „Die Christel von der Post“ – wird am 28. Juni 75 Jahre alt. Kaum zu glauben. Der im pommerschen Stargard geborene Biederstaedt stand 1950 zum ersten Mal auf der Bühne – in Wiesbaden. Von dort holte ihn Regisseur Rolf Hansen zwei Jahre später für seinen Dieter-Borsche-Film „Die große Versuchung“. Für Biederstaedt war es das große Glück – gleich für seine erste Filmrolle bekam er den Bundesfilmpreis als bester Nachwuchsdarsteller. Im Theater am Ku’damm will er sich nun von der Bühne verabschieden. Daran denkt Ingeborg Krabbe noch lange nicht. Sie macht weiter Fernsehen und tourt mit Solo-Programm durchs Land. Vorwiegend komisch und heiter kommt die Leipzigerin dabei ihrem Publikum – wie schon vor der Wende, als sie in über 300 Produktionen des DDR-Fernsehens mitwirkte.

Sich – last not least – den „König des Boulevards“ im Altersheim vorzustellen, ist unmöglich. Wolfgang Spier, der im Herbst 83 wird, gilt als arbeitswütig, auch wenn die Knochen schon mal schmerzen. Er hält es wohl wie ein anderes Urgestein vom Kudamm. „Wenn wir noch was spüren, leben wir noch“, sagt Curth Flatow. Und das plant Spier noch lange – schließlich hat ihm Johannes Heesters zum 80. Geburtstag 100 Jahre gewünscht.

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