Berlin : Die jüngeren Schüler lassen hoffen

Brandenburg schneidet beim Vera-Vergleichstest der Klassenstufe 3 in Mathe und Lesen besser ab als Berlin

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Potsdam - Jedes sechste Grundschulkind der dritten Klassen im Land Brandenburg kann nicht richtig lesen. Allerdings gibt es eine große Gruppe von 17,7 Prozent desselben Jahrgangs mit überdurchschnittlichen Lesefertigkeiten. Das geht aus dem Brandenburger Gesamtergebnis der zentralen Vergleichsarbeiten „Vera 3“ für 2010 hervor, bei denen bundesweit Kompetenzen in Lesen und Mathematik getestet wurden. Die Jüngeren sind damit insgesamt besser als die märkischen Neuntklässler, die jüngst im Ländervergleich in Deutsch und Englisch bundesweit zu den Schlusslichtern Deutschlands gehörten. Brandenburg unterschied sich darin nicht von Berlin, das ist diesmal anders: Nach Tagesspiegel-Informationen haben Brandenburgs Drittklässler bei Vera 3 in Deutsch und Mathe besser abgeschnitten als die Berliner.

In Brandenburg hatten 16 708 Drittklässler an dem verbindlichen Test teilgenommen. In Deutsch mussten sie innerhalb von 40 Minuten aus zwei kindgerechten Texten, einem über Elefanten als Gewohnheitstiere und einem Märchen über Kamele, das Wichtige herausfinden. Die niedrigste Kompetenzstufe 1 (Einzelinformationen, einfache Schlüsse) schaffen 26 Prozent: Das sind deutlich weniger als der Deutschland-Richtwert, der bei 33 Prozent liegt. Besonders problematisch sind aus dieser Gruppe aber 15,9 Prozent, die deutlich unter den Mindeststandards liegen. Auf der anderen Seite erreichen 17,7 Prozent die beste Stufe 5 (zentrale Inhalte von Texten selbstständig erläutern): Sie können schon das, was in Klasse 4 verlangt wird. Für Deutschland insgesamt erwartete das für Vera verantwortliche Berliner Institut für Schulqualität der Länder (ISQ) nur 6 Prozent der Schüler auf diesem Niveau.

Durchweg besser als in Deutsch sieht es in Mathe aus. Nach dem Pisa-Schock 2001 war das Problemfach gezielt gefördert worden. Der Anteil derer, die Mindeststandards bisher verfehlen, beträgt 5,2 Prozent beim ersten Testkomplex (Daten, Häufigkeit, Wahrscheinlichkeit) und 10,8 Prozent beim zweiten (Zahlen und Operationen).

Brandenburgs Bildungsstaatssekretär Burkhard Jungkamp äußert sich in einer ersten Stellungnahme vorsichtig erleichtert zum „passablen Abschneiden“ der Drittklässler. Anders als im Leistungsvergleich Deutsch/Englisch liege Brandenburg bei Vera 3 in Mathe und Lesen „über dem deutschen Schnitt“. Allerdings dürfe man sich nicht zurücklehnen, es gebe noch immer zu viele Schüler mit Schwächen: „Wir dürfen nicht nachlassen.“

Und dabei geht das Bildungsministerium völlig neue Wege. Wie Jungkamp bestätigte, hat man gerade rund 40 Problemschulen herausgefiltert, die bei zentralen Prüfungen oder Vergleichsarbeiten wie Vera wiederholt auffällig unter dem Landesschnitt liegen. Dorthin sollen jetzt Interventionsteams, ein Prinzip à la „Super-Nanny“. „Es geht um aufsuchende Lehrerfortbildung“, erklärt Jungkamp. „Das ist ein Systemwechsel.“Thorsten Metzner

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