Berlin : Die Jungfilmer Kerstin Ahlrichs und Andy Kaiser zeigen ihre Filme

Tanja Buntrock

"Das ist wie eine Geburt, eine Mischung aus Schmerz und Glücksgefühl", sagt Andy Kaiser, wenn er einen eigenen Film gedreht hat. Bei dem Gedanken blüht der sonst zurückhaltende 30-jährige Halb-Amerikaner auf, die Augen beginnen zu leuchten. Sein Abschlussfilm "Harara", mit dem er seinen Studiengang an der Filmakademie Ludwigsburg beendet hat, lief schon auf dem Filmfestival in Cannes und ist heute neben anderen Filmen bei der "Berliner Kurzfilmrolle" im Freiluftkino Friedrichshain zu sehen.

Auch "Kehrwoche" ist dabei, ein Film von Kerstin Ahlrichs, mit Karin Baal als Hauptdarstellerin. "Ich habe mit meiner Freundin überlegt, wer als Darstellerin in Frage kommen könnte, und plötzlich haben wir bei Karstadt auf einem der Riesenbildschirme Karin Baal in einem Edgar-Wallace-Film gesehen. Da wussten wir: die ist es", beschreibt die 33-jährige DFFB-Studentin. Kerstin Ahlrichs, die Karin Baal als weibliches und deutsches Pendant zu James Dean bezeichnet, ist "überglücklich, diese professionelle Schauspielerin für den Film gewonnen zu haben."

An "Kehrwoche" hat Ahlrichs zusammen mit ihrer Ko-Autorin Heidi Kull fast eineinhalb Jahre gearbeitet. "Das Drehbuch reift und reift, bis es dann fertig ist", erzählt sie. So wurden einzelne Szenen in einer kleinen, zugestellten Küche immer wieder durchgesprochen - kritisch und schonungslos -, oftmals bis in die frühen Morgenstunden. Finanziert wurde der 10-minütige Kurzfilm mit 11 000 Mark von der Filmhochschule, 13 000 Mark hat sie selbst investiert. "Der Film verschlingt alles. Was ich besitze, habe ich in diesen Film gesteckt, aber das ist bei allen Filmemachern so", sagt sie. Ahlrichs kennt Leute, "die sind wieder zu Hause eingezogen, weil sie sich ihre eigene Miete nicht mehr leisten konnten." Wenn sie Regie führt, kommen ihr die Kenntnisse als Kamerafrau - den Job, den sie freiberuflich macht, um "Kohle für die eigenen Filme zu verdienen" - zur Hilfe. "Wenn mir dann beim Dreh irgendwelche Beleuchter sagen, dass das so nicht geht, dann weiß ich: es geht doch", schmunzelt sie.

Derartige Probleme kennt Andy Kaiser auch. Schon als kleiner Junge hat er sich das Filmen mit einer Super-8-Kamera beigebracht und "alles quer durch den Garten gefilmt". Statt Taschengeld bekam er von seinen Eltern Filmrollen, und wenn er zwischen USA und Deutschland gependelt ist, war seine Kamera immer im Koffer. "Ich war immer schon neugierig, wie etwas funktioniert", erklärt er, "in den 70er Jahren war ich von Star Wars und den Tricks total fasziniert, obwohl ich soviel Angst vor den ganzen Monstern hatte, aber genau das hat mich neugierig gemacht". Und so wundert es nicht, dass er sich bei seiner Karriere als Filmemacher auf Animationsfilme spezialisiert hat. Statt jedoch am Zeichentisch zu sitzen, hat er selbst Schaumstofffiguren hergestellt und sie zu den Hauptdarstellen seines Films gemacht. "Ist schon komisch: Früher hatte ich Angst vor den Illusionen, die in Filmen erzeugt wurden, jetzt stehe ich auf der anderen Seite und erzeuge sie selbst", sagt Kaiser und ist stolz darauf.

Gespannt auf die Vorführung heute Abend sind beide Jungfilmer, Kaiser hat sogar "Lampenfieber". Schließlich werden eine Menge Leute erwartet, und diese gehören nicht zum Fachpublikum. Da die beiden ihre Filme aber für das breite Publikum gemacht haben, ist es ihnen besonders wichtig, "wie der Film bei denen ankommt". Und das Publikum, das kann so sein wie kleine Kinder: einfach grausam.

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