Berlin : Die kanadische Band "Godspeed You Black Emporer!" war in Berlin

Volker Lüke

Nach dem astronomischen Top-Ereignis vom Tage scheinen Godspeed You Black Emporer! für den Soundtrack danach die richtige Wahl zu sein, schließlich hat man die Rätselrocker aus Montreal schon als "Big Band der Apokalypse" bezeichnet und ihr Debüt-Album ist ein mehrdimensionales Naturschauspiel, das den Hörer als eine Art Roadmovie-Instrumental-Epos in seinen Bann zieht. Bleibt zu überprüfen, ob der Charakter ihrer Musik auch Bestand hat, wenn die eingemachten Töne auf der Bühne ausgepackt werden. Neun Musiker sind beim Auftritt im Pfefferberg am Start: Vorn sitzen drei Gitarristen, daneben ein weibliches Streicherduo an Cello und Violine, dahinter zwei Bassisten und zwei Schlagwerker, während ein Zehnter experimentelle Filmchen auf die Bühne projeziert. Hochkonzentriert klemmen die Musiker hinter ihren Instrumenten. Auffallend ist die unglaubliche Lahmheit, mit der sie an die Aufgabe herankriechen, um dann das Thema nach mehrmaligem Durchspielen in schwindelnde Höhen zu schrauben. Es geht um Lautstärke, vom möglichst Leisen zum maximal Lautem zu kommen, "durch die Nacht zum Licht", vom Wiegenlied zum Totschlag. Nicht gerade der allermodernste Ansatz, aber das Hauptproblem der Band liegt woanders: sie haben nur einen Song. Lassen "GYBE!" auf Platte den Zuhörer mit offenem Mund zurück, so offenbaren sie auf der Bühne eine gewisse Orientierungslosigkeit. Ein sterbender Planet, der seltsame Geräusche von sich gibt, während Uranus, Mars, Saturn und Sonne ein kosmisches Kreuz am Himmel bilden. Oder wie Lester Bangs einmal über ein Konzert von Tangerine Dream bemerkte: "Ich habe Gott gesehen, und das hat einen wesentlichen Vorteil: Du kannst jederzeit weggucken. Stört ihn überhaupt nicht."

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