Berlin : Die Karibik fängt gleich hinter Kreuzberg an

Seit zehn Jahren wenig Schlaf am Wochenende: Wie das „Yaam“-Team seinen Freiluftclub am Laufen hält

Cay Dobberke

Beim Streetball am Treptower Spreeufer macht Ortwin Rau auch gern mit. Dann wirft er gemeinsam mit den bunt gemischten Teams aus Jugendlichen diverser Nationalitäten ein paar Körbe. Dass der Sozialpädagoge gerade 50 geworden ist, merkt man dem Chef des Yaam-Clubs nicht an. Ihn hält sein Projekt jung, dass nun ebenfalls ein Jubiläum feiert: Der „Young and african Market“, kurz Yaam, wird zehn Jahre alt.

Als Rau und eine Hand voll Gleichgesinnter das multikulturelle Jugendprojekt unter freiem Himmel eröffnet hatten, war an Sand- und Strandbars in Berlin noch nicht zu denken. Die karibische Welt neben der Arena in der Eichenstraße ist auch heute noch etwas Besonderes. 1000 bis 2000 Besucher kommen sonntags, um Cocktails zu genießen, jamaikanisches Curryhuhn zu essen und Reggae oder Hip-Hop hören. Sportliche spielen Streetball oder Footbag – diesen Sport mit Minibällen können Anfänger in einem Workshop lernen. Auch immer mehr Familien zieht es ins Yaam, weil auch für Kinder einiges geboten wird.

Rau spricht von einer „Kreativwerkstatt“. Junge Leute haben einen Wagen gestaltet, mit dem das Projekt jedes Jahr beim Karneval der Kulturen teilnimmt. Die Musiker der Berliner Reggaeband Seeed lernten sich zum Teil im Yaam kennen und hatten dort ihre ersten Auftritte.

„Jeder kann kommen und mitmachen“, sagt Nepomuk Tuschy, genannt „Muk“. Schon als Kind kannte der 21-Jährige den Club, weil seine Eltern gerne Reggae hören und seit langem Stammgäste sind. Seit fünf Jahren gehört Muk zu den Helfern, er konnte im Yaam auch seinen Zivildienst ableisten. Nun will Rau ihn zum Veranstaltungstechniker ausbilden. Denn der Trägerverein „Kult e.V.“ ist gemeinnützig und arbeitet mit Berufsbildungsträgern zusammen. Aus deren Klientel stammen die vier jungen Leute, die zusammen mit Rau und Muk derzeit den Betrieb aufrecht erhalten. „Es hat sich einiges entwickelt“, freut sich Rau.

Er selbst arbeitet immer noch ehrenamtlich und verdient sein Geld als Betreuer von Jugendwohngemeinschaften. Die meiste Zeit investiert Rau jedoch in den Yaam-Club – allein am Wochenende mitunter 20 bis 30 Stunden ohne Schlaf. Auf Bettruhe muss er auch jetzt wieder verzichten. Heute um 20 Uhr beginnt die Geburtstagsparty im „Casino“ an der Mühlenstraße, bei der unter anderem der Reggae-DJ David Rodigan auflegen will (Eintritt: sechs Euro). Morgen geht es ab 14 Uhr auf dem Freigelände weiter (drei Euro Eintritt). Ohne Aufpreis können die Gäste nebenan im Badeschiff schwimmen, und ab 22 Uhr spielt die Musik in der benachbarten „MS Hoppetosse“.

Informationen im Internet:

www.yaam.de

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