Berlin : Die Kartenhäuser vom Alex

C. v. L.

Mit der zentralen Stadtgestaltung geht es nicht voran: Am Alexanderplatz drohen nach den Koalitionsgesprächen von SPD und PDS die ehrgeizigen Hochhaus-Pläne wie Kartenhäuser zusammenzustürzen. Von "überdenken" und "abspecken" war die Rede. Zwischen Fernsehturm und Spree soll ein "grüner Freiraum" entstehen. Auch beim Thema Schlossplatz mochten sich die Parteien nicht festlegen.

Als Hochhaus-Rückzieher wollte Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) gestern die Beschlüssse nicht bezeichnen. Die Alex-Pläne seien "nicht in der Schublade verschwunden". Man wolle nur vor Grundstücksverkäufen und Vorleistungen des Landes Berlin (für Leitungen und Straßen) von den Investoren wissen, ob der Bau von Hochhäusern nach aktuellen wirtschaftlichen Prognosen noch realistisch und bedarfsgerecht sei. Es bestünde die Gefahr, dass noch 15 Jahre tatenlos vergingen, nur weil sich die Planung auf Hochhäuser festgelegt habe. Diese seien im Übrigen "nie meine Lieblingsidee" gewesen, und vielleicht ließe sich anderes schneller und besser realisieren. Man müsse aber Schadenersatzforderungen von Investoren vermeiden.

Fast genau vor einem Jahr hatten Strieder und die vorgesehenen Investoren am Alexanderplatz ein Büro für die Planungskoordination eröffnet, der Senator sprach optimistisch vom Startschuss für die Neugestaltung des Alexanderplatzes. Er mahnte die Investoren, sich nicht mehr viel Zeit zu nehmen, sonst suche sich der Markt andere Standorte für Büros. Acht 150 Meter hohe Häuser sollten entstehen, ursprünglich waren zwölf geplant. Die PDS hatte Hochhäuser am Alex stets abgelehnt, die SPD-Fraktion die Planverfahren unterstützt.

Die städtebaulichen Verträge mit den Investoren waren abgeschlossen, bis 2006 sollte mit dem Bau angefangen werden, erste Vorbereitungen waren bereits im nächsten Jahr geplant. Die Deutsche Interhotel, der Kaufhof, die US-Gruppe Hines und der hessische Immobilienkaufmann Otmar Kehrer gehörten zu denen, die bauen wollten. Ebenso die städtische DeGeWo, die auf dem heutigen Weihnachtsmarktgelände den Anfang machen möchte.

Der Architekt Hans Kollhoff, dessen städtebaulicher Entwurf Grundlage des Bebauungsplans wurde, konnte sich gestern auf die Beschlüsse "keinen Reim machen". Die Koalitionäre sollten eher nachdenken, wie sie Investoren nach Berlin holen und ein wirtschaftliches Klima schaffen könnten, "das aus dieser Starre herausführt".

Zum Schlossplatz erklärte Strieder, man werde die künftigen Empfehlungen der Expertenkommission nicht ignorieren. Nur könne sich das Land nicht finanziell an der Gestaltung beteiligen. Man befürworte einen städtebaulichen und architektonischen Wettbewerb und wolle sich nicht einseitig auf eine Architektur festlegen.

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