Berlin : Die Kauflust überdauert das Fest

Für den Handel wird das Geschäft nach Weihnachten immer wichtiger, weil häufiger Bargeld geschenkt wird

von und Bojan Krstulovic
Leere Taschen, volle Taschen. Die Kauflaune ist nach Weihnachten ungebrochen, die Geschäfte gut besucht. Die Woche vor Jahresende gilt im Handel traditionell als umsatzstark. Viele Preise sind reduziert, um die Lager vor der Inventur zu räumen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Leere Taschen, volle Taschen. Die Kauflaune ist nach Weihnachten ungebrochen, die Geschäfte gut besucht. Die Woche vor Jahresende...

Für Berlins Einzelhändler ist die Festtagsfreude noch nicht zu Ende. Schon ihre Geschäfte vor Weihnachten liefen gut – und jetzt, nach der Bescherung, sind viele Läden erneut rappelvoll. Zum Beispiel am Montag bei Media-Markt am Alex, wo reihenweise geschenkte Notebooks gegen noch bessere und entsprechend teurere umgetauscht wurden. Victor, Student aus Karlshorst, stand dort in der Schlange, den neuen Laptop unter den Arm geklemmt, dessen Leistung ihm nicht ausreichte. „Ich brauche einen stärkeren Prozessor und eine gute Grafikkarte für meine Designanwendungen.“ Vor und hinter ihm bezahlten viele Kunden mit Geschenkgutscheinen oder Euros, die ihnen bar unterm Christbaum überreicht wurden.

„Bargeschenke oder Gutscheine haben auffällig stark zugenommen“, bestätigte gestern der Vizechef des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Günther Päts. „Die Leute schenken weniger auf Risiko.“ Dadurch werde jetzt nach Weihnachten erheblich weniger umgetauscht als noch vor fünf oder zehn Jahren. Den Handel entlaste das, sagt Päts. Obwohl man bei Umtausch „natürlich weiterhin Kulanz“ zeige. Außerdem bringe das geänderte Schenkverhalten zusätzliche Gewinne. Denn in der Regel legen die Beschenkten auf einen Gutschein noch einige Euro drauf, um ihre Wünsche zu erfüllen. Oder sie geben mehr aus, als sie bar überreicht bekamen. „So ergeben sich für uns noch erfreuliche Folgegeschäfte“, bestätigt Eckard Roters aus der Geschäftsführung von Karstadt am Ku’damm.

Bei Karstadt ist das Nachweihnachtsgeschäft in den vergangenen Jahren „immer interessanter und stärker geworden“, sagt Roters. Das Gleiche gilt fürs KaDeWe am Wittenbergplatz, wo man sich gestern über ein „unglaublich volles Haus“ freute. Zum einen wegen der „vielen Gutscheinkunden“, aber auch wegen der vielen Touristen, die im Hinblick aufs große Silvesterfest am Brandenburger Tor in die Stadt gekommen sind und schon mal eifrig shoppen gehen.

Shopping nach Weihnachten scheint aber auch für Berliner immer reizvoller zu werden. Ebenso wie bei Karstadt und in anderen Kaufhäusern hat man auch im KaDeWe festgestellt, „dass sich mehr Leute in den Tagen nach Weihnachten freinehmen, um in Ruhe gezielter einzukaufen oder Geschenke umzutauschen“.

Am Montagvormittag war es in der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz noch ruhig, nur einige Umtauschwillige standen schon um 9.30 Uhr vor dem Eingang. Vor allem Spielsachen seien zurückgebracht worden, aber auch Textilien, sagt Geschäftsführer Detlef Steffens. Doch sei die Zahl der Umtauschaktionen überschaubar geblieben. In den Elektronikläden waren es besonders CDs und Computerspiele, die nicht treffsicher erworben wurden und wieder in den Regalen landen.

Sergio (30) aus Friedrichshain steht auf Hardrock, hat aber drei Metallica-Alben bekommen, die er schon besitzt. Er tauscht sie am Alexanderplatz gegen eine CD der schwedischen Metal-Band Opeth um. Rosita aus Königswusterhausen hatte für die Oma einen digitalen Schlüsselanhänger gekauft mit kleinem LCD-Bildschirm für eigene Fotos. „Doch er streikte beim ersten Bespielen. Nun verlangt sie einen neuen. Und Mark (27) aus Steglitz schleppt sogar einen Full-HD-Fernseher heran. Den hatte er seiner Schwiegermutter überreicht, doch er war defekt.

„Einige Läden geben in den Tagen nach dem Fest sogar Extra-Rabatte“, teilt der Handelsverband mit. Und zwar nicht nur auf Weihnachtsdeko, die man jetzt zum halben Preis für die kommende Saison horten kann. Auch bei Textilien purzeln teilweise die Preise, weil sie schon der Frühjahrsmode weichen müssen – auch wenn Berlin noch tief verschneit ist. „Es lohnt sich, die Augen offen zu halten.“

Und in der Galeria Kaufhof am Alex hat Geschäftsführer Steffens noch einen Tipp parat für alle, die gerne Frischgeflügel essen. „Das gibt es zurzeit ermäßigt. Wegen des Wetters konnten die Transporter tagelang nicht fahren und bringen nun ein Überangebot nach Berlin.“

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