Berlin : Die Kisten bleiben leer

Spenden für die Berliner Tafel verschwinden Der Verein vermutet, dass die Diebe gezielt kommen

Eine besonders dreiste Form des Diebstahls betrifft zurzeit die Berliner Tafel. Diebe, getarnt als Mitarbeiter des gemeinnützigen Vereins, holen die Lebensmittel kurz vor Ankunft der ehrenamtlichen Fahrer ab. „Seit etwa drei bis vier Monaten kriegen wir oft zu hören, wir wären doch schon da gewesen“, beklagen sich die Fahrer.

Die Berliner Tafel sammelt seit Jahren überschüssige Lebensmittel in Lebensmittelmärkten. Auch Spenden, die beispielsweise im Rahmen der Aktion „Eins mehr“ zusammenkommen, werden von den Ehrenamtlichen abgeholt. Diese verteilen sie an Bedürftige und soziale Einrichtungen in Berlin.

Von den Diebstählen betroffen ist auch die Trinitatiskirche am Karl-August- Platz, die sich seit 2005 im Rahmen der Aktion „Laib und Seele“ als kirchliche Ausgabestelle für Bedürftige engagiert. Für sie sollten beispielsweise einige Kisten Obst und Gemüse bei einem Rewe- Markt in der Turmstraße abgeholt werden. „Das Einzige, was wir fanden, waren aber leere Kisten im Hof“, sagt der Fahrer. Aus Platzgründen werden im Rewe- Markt die aussortierten Lebensmittel im Hof gelagert. „Leider haben wir kein Personal, die Lebensmittel zu bewachen“, erklärt die Marktleiterin Ramona Reiche. Sie vermutet, dass die Diebe gezielt vorgehen und es „zum Teil Einzelpersonen sind, andererseits Gruppen, die wissen, wann auf dem Hof wenig los ist.“

Für die Vorsitzende der Berliner Tafel, Sabine Werth, ist das kein Einzelfall. „Wenn es sich um Einzelpersonen handeln würde, soll mir das egal sein, aber wenn ganze Lkw-Ladungen Lebensmittel fehlen, steckt da mehr dahinter.“ Im gesamten Stadtgebiet sind die Sammelaktionen der Berliner Tafel betroffen. „Oft bekommen unsere Fahrer zu hören, wir geben euch nichts mehr, ihr verkauft die Ware eh“, sagt Sabine Werth. Wer genau hinter dem Verschwinden der Lebensmittel steckt, ist ihr nicht bekannt. Sabine Werth vermutet, dass andere Vereine die für die Tafel vorgesehenen Lebensmittel über Billigläden weiterverkaufen. Beweise gibt es bisher allerdings nicht. „Solange wir niemanden auf frischer Tat ertappen, sind wir machtlos.“

Gemeinsam mit den teilnehmenden Lebensmittelmärkten sucht die Berliner Tafel jetzt nach Lösungsmöglichkeiten. Zunächst einmal wollen sie es mit genaueren Terminabsprachen probieren. spe

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