Berlin : Die kleine Lösung

Ein neuartiges Mini-Klärwerk macht das Abwasser rein – und sogar keimfrei

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Die Zukunft der Abwasserbehandlung passt auf einen Lastwagen und soll morgen im äußersten Nordosten von Berlin beginnen: Im Lichtenberger Ortsteil Margaretenhöhe wird ein nur 17 Quadratmeter kleines Klärwerk installiert. Auf der einen Seite wird das Abwasser der 92 Haushalte von Margaretenhöhe hineinlaufen. Nach zwölf Stunden soll es herauskommen – in Badewasserqualität.

Der mit EUFördergeld von den Berliner Wasserbetrieben (BWB), Wissenschaftlern der TU und der französischen Veolia Water entwickelte Prototyp soll ein weltweites Problem lösen: die Abwasserklärung von Siedlungen, die zu klein für ein herkömmliches Klärwerk und zu abgelegen für einen rentablen Anschluss an die Kanalisation sind. Drei Jahre lang haben die Wissenschaftler geforscht. Die Lösung soll auch die strengsten Grenzwerte bei weitem unterbieten.

Was die 250 Bewohner von Margaretenhöhe durch die Abflüsse jagen, landet zunächst in zwei Tanks, wo sich das Gröbste absetzt. Von dort fließt die Brühe durch ein Sieb, in dem feste Stoffe bis 0,75 Millimeter hängen bleiben. Das Sieb wird automatisch gereinigt, die Reste kommen in einen Sammelbehälter.

Auf die mechanische folgt die biologische Klärung. Chemisch besteht das Abwasser hauptsächlich aus Verbindungen von Kohlenstoff, Phosphor und Stickstoff. Diese Substanzen werden von Bakterien „gefressen“ – und größtenteils in Kohlendioxid, Wasser und gasförmigen Stickstoff umgewandelt. Dieser Vorgang geschieht in drei Phasen. Die Zwischenprodukte mussten bisher aufwändig hin und her gepumpt werden. Beim MiniKlärwerk haben die Wissenschaftler zwei Phasen vertauscht, was Platz und Energie spart. Den Trick haben sie sich patentieren lassen. Zusätzlich wird das Wasser durch ein Paket aus Membranen gesaugt wie durch einen Kaffeefilter. Nur dass die Poren im Container mit 0,2 Mikrometer so winzig sind, dass selbst Keime darin hängen bleiben. Projektleiterin Regina Gnirß hofft, dass die Membranen vier Jahre halten. Wenn nicht, erfährt sie es zuerst: Das Mini-Klärwerk kontrolliert sich ständig selbst – und meldet ihr seine Daten direkt ins Büro. obs

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