Berlin : Die kleine Marie litt lange

Bezirkspolitiker werfen dem Gesundheitsamt Spandau Versäumnisse vor

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Der kleinen Marie T. hätten Qualen erspart werden können, wenn das Gesundheitsamt Spandau besser mit dem Jugendamt kooperiert hätte. Diesen Vorwurf erhebt Spandaus FDPFraktionschef Karl-Heinz Bannasch. Auch der CDU-Vorsitzende Kersten Schröder will dem Fall nachgehen und prüfen, ob und wer im Bezirksamt Fehler gemacht hat. Gesundheitsstadträtin Birgit Bialkowski (SPD) weist die Vorwürfe von sich. „Wir haben uns nichts vorzuwerfen.“

Die 17 Monate alte Marie aus Spandau war nach einer Anzeige eines Nachbarn am 4. Dezember unterernährt und gefesselt in der Wohnung der Mutter von der Polizei gefunden worden. Das Kind wurde ins Krankenhaus gebracht, wo es noch eine Woche bleiben muss. Die 31-jährige Mutter befindet sich in Untersuchungshaft.

Im Gesundheitsausschuss des Bezirkes wurde jetzt bekannt, dass der Jugendgesundheitsdienst bereits am 2. September vergangenen Jahres Hinweise auf eine Vernachlässigung des Kindes bekommen hatte. Als Sozialarbeiter am 4. September unangemeldet bei der Mutter vorbeischauen wollten, war diese umgezogen.

Daraufhin kündigten sie sich für den 11. September in der neuen Wohnung an. Am 10. September erschien die Mutter mit dem damals drei Monate alten Baby in der Behörde. Dort wurde das Kind untersucht. „Es sind keine Hinweise auf eine Vernachlässigung gefunden worden“, sagt Gesundheitsstadträtin Bialkowski. Bannasch wirft den Sozialarbeitern vor, dass sie der Mutter nicht noch einmal später einen Kontrollbesuch abstatteten. Außerdem hätte seiner Meinung nach das Jugendamt die Mutter bei der Erziehung unterstützen können, wenn es von dem Fall informiert worden wäre. „Das Kind wurde am 10. September 2002 von einer erfahrenen Sozialarbeiterin untersucht. Ihr ist nichts aufgefallen“, sagt Bialkowski. Deshalb habe es keinen Grund gegeben, das Jugendamt einzuschalten und auch nicht, bei der Mutter noch einmal vorbeizuschauen. Man habe aber die Person, die am 2. September den Hinweis gegeben hatte, aufgefordert, sich zu melden, wenn ihr wieder etwas auffalle. clk

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