Berlin : Die kleine Weltreise

Zum dritten All Nations Festival von 36 Botschaften kamen mehr Gäste als je zuvor

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Ein kleines Büro, wie es sie zu tausenden in Berlin gibt – und doch sind diese wenigen Quadratmeter ein exterritoriales Gebiet. Die Botschaft Myanmars in der Zimmerstraße in Mitte genauer gesagt. Auf dem grauen AllerweltsFußbodenbelag führen drei in rosa Gewänder gehüllte barfüßige Frauen traditionelle fernöstliche Tänze auf. Hinter ihnen flimmert ein Fernseher, zu dem später ein Botschaftsangestellter Karaoke singen wird. Den Besuchern gefällt’s: Aufmerksam lauschen sie den fremden Klängen und schlürfen nebenbei das exotische Nationalgericht „Pikante Hühnersuppe mit Vermicelli (Fadennudeln)“. So schön kann Diplomatie sein.

Zum dritten Mal luden am gestrigen Sonnabend Berliner Botschafter zum Besuch ein– und wie immer, wenn Exzellenzen und Minister ihre Arbeitsplätze zeigen, kamen die Neugierigen in Massen. Trotz des Regens registrierten die Veranstalter eine Rekordbeteiligung. 8500 Besucher strömten in die 36 Gesandtschaften, die am diesjährigen All Nations Festival teilnahmen, – 3500 mehr als noch im vergangenen Jahr.

„Danke für all das Wunderbare in Ihrem Haus“, hatte eine Besucherin im Gästebuch der Indischen Botschaft notiert. Was sie so begeisterte, die ruhigen Wasserflächen am Eingang oder der sanft säuselnde Wasserfall auf dem Hof oder die indischen Speisen, die kredenzt wurden, hat sie nicht hinterlassen. So wie sie lockte der verwinkelte, mit rotem Sandstein verkleidete Bau an der Tiergartenstraße hunderte Gäste an. Manche warteten in der Schlange länger als eine halbe Stunde.

Aber wer sich beeilte, konnte mit Hilfe der Shuttle-Busse an einem Nachmittag spielend zehn Länder schaffen. Viele Besucher wünschten sich für das nächste Mal ein detaillierteres Programm, in dem Veranstaltungen wie Jazzfest (Tschechien), Bollywood-Filme (Indien) oder Tanzvorführung (Myanmar) angekündigt werden. Dann könne man seine Weltreise besser planen. Eine kleine Kritik am Rande, die der großen Begeisterung jedoch keinen Abbruch tat. I.B.

Der Berliner Stadtwandel-Verlag hat seine Reihe von Architekturführern um die Hefte zur Italienischen, zur Australischen Botschaft und zu den Nordischen Botschaften erweitert. Infos im Internet unter www.stadtwandel.de oder unter Telefon (030) 695 048 12.

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