DIE KOALITION IST UNEINS : Das Gerangel beginnt schon in den Bezirken

SKEPTISCHE CDU



Es liegt nicht nur am abgekühlten Koalitionsklima, dass der Regierungspartner CDU gewisse Bedenken gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes äußert. Der fehlende Schulterschluss mit der SPD hat noch einen anderen Grund: In Tempelhof-Schöneberg hat die Union ein Bündnis mit Grünen und Linken geschmiedet. Alle drei Fraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung fordern seit November 2013, Planung und Baumaßnahmen vorerst auszusetzen, bis der Volksentscheid beendet ist. Geführt wird der CDU-Kreisverband übrigens von Florian Graf, gleichzeitig Fraktionschef der Christdemokraten im Abgeordnetenhaus. Schon 2012 hatte sich die CDU im Bezirk dafür ausgesprochen, dass eine Bebauung des Feldes im Einzugsbereich Tempelhof auf absehbare Zeit „nur in marginaler Form“ erfolgen solle. Grün, Sport und Freizeit müssten dort Vorrang haben. Denn es gebe im Bezirk auf anderen großen Flächen Potenzial für mehr als 3000 Wohnungen. Weitere Wohneinheiten in vergleichbarer Größenordnung seien durch „Verdichtung des Bestandes“ erreichbar. „Wir sollten noch mal über die Eckpunkte der Bebauung und über die Architektur der Wohnhäuser diskutieren“, sagte der CDU-Fraktionschef in der Bezirksverordnetenversammlung, Ralf Olschewski, dem Tagesspiegel. Der Senat wäre gut beraten, nicht unflexibel auf dem Masterplan zu beharren.

STANDHAFTE SPD

Die SPD in Tempelhof-Schöneberg steht mit ihrer Treue zum Stadtentwicklungssenator Michael Müller im Bezirk alleine da. Und wackelt nicht. Schließlich ist der Senator Mitglied des Kreisverbandes, der zudem von Arbeitssenatorin Dilek Kolat geführt wird. Die Senatspläne für das Tempelhofer Feld sind dort unangefochten. Ebenso in den SPD-Kreisverbänden in Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg, den beiden anderen Anrainerbezirken. SPD-Landeschef Jan Stöß, der in Kreuzberg politisch zu Hause ist, stellt sich klar gegen die Ziele des Volksentscheids und verteidigte die Senatspläne zum Bau von 5000 Wohnungen am Rand des Feldes. Berlin brauche bezahlbare Wohnungen, keine Blockade. Sogar die aufmüpfigen Jungsozialisten bekennen sich zu einer „behutsamen Randbebauung“, mit einer interessanten Einschränkung: Die Pläne des Senats würden „in den wesentlichen Zügen“ unterstützt. za

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