Berlin : Die Köpenicker Bildhauerin Ingeborg Hunzinger wird heute 85

Steffi Bey

Ans Aufhören denkt die Bildhauerin noch lange nicht: "Höchstens dann, wenn ich nicht mehr kann", sagt Ingeborg Hunzinger. Doch davon ist keine Rede, schon gar nicht an ihrem 85. Geburtstag, den sie heute begeht. In ihrem Rahnsdorfer Haus wird es eine kleine Feier geben, so wie jedes Jahr. Denn den großen Trubel mag die zierliche Frau überhaupt nicht. Viel lieber "klebe ich an meinen Steinen", sagt sie und lächelt.

Fast täglich beschäftigt sie sich mit ihren Kunstwerken und arbeitet gleichzeitig an zwei oder drei Objekten. Manchmal nimmt sie auch ein unfertiges Teil mit ins Wohnzimmer, um es zu betrachten und neue Impulse zu erhalten. Es kommt auch vor, dass die Bildhauerin nur so zum Spaß mit dem Taschenmesser aus kleinen Steinen Figuren oder Köpfe kratzt. In einer Vitrine bewahrt sie die winzigen Teile auf.

Die Skulpturen und Reliefs in ihrem Garten und im Atelier wirken dagegen wie Riesen. Um etliches überragen sie die kleine, resolute Frau. Neben einem aus Ton gegossenen Flötenspieler, der zu ihrem neuesten Werk gehört, lehnt das Original der "bösen Wolke", das an die Geschichte der Wasserrettung erinnert. In der kalten Jahreszeit arbeitet Ingeborg Hunzinger ausschließlich in ihrer Werkstatt, die früher einmal als Pferdestall diente. Sie liebt diesen Raum, von dem sie einen wunderbaren Blick in ihren Garten hat, doch sie freut sich jetzt auch schon wieder auf das Arbeiten im Freien. Dort wird sie oft von Neugierigen angesprochen. Das gefällt der Rahnsdorferin, schließlich widmet sie sich Themen, die eigentlich jeden betreffen.

Wie viele Kunstwerke die 85-Jährige in mehr als 60 Jahren schuf, vermag sie nicht zu sagen. In ganz Deutschland und auch im Ausland stehen jedenfalls ihre Figuren. Ihr wohl bekanntestes Denkmal in Berlin, der "Frauenprotest", befindet sich seit 1995 an der Rosenstraße 2 und erinnert an den Protest gegen die sogenannte Fabrik-Aktion. In drei Steinblöcken ist dargestellt, wie 1943 Frauen gegen die Deportation ihrer jüdischen Männer kämpften. Noch immer ärgert sie sich aber über den Streit, den es zwischen ihr und dem Senat wegen des Arbeitslohnes gab. Dass sie die Klage letztendlich gewann, habe sie "stärker gemacht".

Indessen hofft sie, dass sich eine andere Sache schneller klären lässt: Angeblich will ein Krankenhaus ein Relief von ihr entfernen, weil der Platz gebraucht werde. Doch sie befürchtet, dass es in die Brüche geht, wenn man es von der Wand trennt. "Dann wäre ein Stück meines Lebens zerstört."Noch bis zum 18. Februar werden in einer Ausstellung an der Grünstraße 16 Werke von ihr gezeigt.

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