Berlin : Die Kollegen, deine Freunde und Helfer

Prozess gegen Polizisten, die Fahrerflucht gedeckt haben sollen

Kerstin Gehrke

Als sie den „Chrysler“ eines Kollegen verschrammt und verlassen fanden, zeigten sich zwei Polizisten sehr hilfsbereit. Statt sofort den Verkehrsunfalldienst anzufordern, fuhr einer von ihnen den Wagen zum Haus des Kollegen. Sie trafen den Chrysler-Fahrer eindeutig alkoholisiert an – und halfen ihm laut Staatsanwaltschaft, eine Unfallfahrt mit Fahrerflucht zu vertuschen. Seit gestern müssen sich die beiden Polizisten Oliver K. und Marco S. wegen Strafvereitelung im Amt und Falschaussage vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten.

Für die Staatsanwaltschaft ist es vor allem die Aussage einer Polizistin, die den Verdacht gegen die beiden Angeklagten erhärtet. Sie war auf der Streife dabei, als der Wagen im Mai 1999 auf einem stillgelegten Güterbahnhof entdeckt wurde, und wollte nach eigenen Angaben sofort den Unfalldienst rufen. Marco S. soll sie deshalb angeherrscht haben: „Willst du etwa einen Kollegen anscheißen?“ Im Prozess sagte die 32-jährige Polizistin, sie sei nach dieser Aussage, die sie im bereits abgeschlossenen Prozess gegen den Chrysler-Fahrer gemacht hatte, gemobbt worden. „Wenn ich irgendwo saß, gab es immer wieder Tritte gegen das Stuhlbein.“ Einer ihrer Vorgesetzten habe gesagt, sie solle nicht so empfindlich sein. Nach einem halben Jahr wurde sie versetzt.

Die 29 und 33 Jahre alten Angeklagten fühlen sich zu Unrecht verfolgt. „Ich habe ein absolut reines Gewissen", sagte K. Er habe den gefundenen Wagen untersucht und sei von einem Diebstahl durch unbekannte Täter ausgegangen. Obwohl im Kofferraum persönliche Dinge und auch die Schlüssel des Kollegen lagen. Oliver K. sagte, er habe zwar sofort erkannt, dass der Chrysler dem Kollegen gehörte. Aber das habe ihn nicht beeinflusst. Dass bei einem Autodiebstahl mit Unfallspuren stets der Unfalldienst einzuschalten ist, wollen beide Angeklagten schlicht nicht gewusst haben.

Und sie fühlen sich durch ihren Kollegen getäuscht. Als sie ihm den Wagen zurückbrachten, hätte der eigentlich im Bett liegen müssen. Er hatte sich wegen Schmerzen im Knie krank gemeldet. Tatsächlich war er am Vorabend bei einem Grillfest in einer Kleingartenkolonie. „Als wir klingelten, war er alkoholisiert“, sagte S. Eine Blutprobe blieb dem Mann dennoch erspart. Er habe von einem Diebstahl des Wagens gesprochen. Und dass er nach dem Grillfest zu Fuß nach Hause gegangen sei.

Der Chrysler-Fahrer wurde bereits wegen Unfallflucht und Vortäuschens einer Straftat zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Prozess gegen seine Kollegen wird nächste Woche fortgesetzt.

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