Berlin : Die „Komödie“ hat bessere Karten

Welche der beiden Ku’damm-Bühnen ist noch zu retten?

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„Wir kämpfen weiter“, sagte gestern Otfried Laur, der Chef des Berliner Theaterclubs. Der setzt sich seit Monaten vehement dafür ein, dass beide Ku’damm-Bühnen erhalten bleiben. „Das ist ein historisches Kulturgut, das bewahrt bleiben muss“, sagte der „Impresario von Berlin“, dessen Theaterclub nächstes Jahr sein 40. Jubiläum begeht.

Gestern war Laur nicht in Feierlaune. Vielmehr machte er seinem Ärger darüber Luft, wie Intendant Martin Woelffer „auf die Linie Wowereits“ eingeschwenkt sei, indem er öffentlich hoffe, wenigstens ein Theater retten zu können. Das Telefon bei seinem Club habe danach den ganzen Abend nicht stillgestanden, sagte gestern Laur im Renaissance-Theater. „Was ist denn da los?“, hätten immer wieder Mitglieder gefragt. Mit Martin Woelffers Äußerung in der Abendschau, nur noch um ein Theater zu kämpfen, sei man nicht einverstanden. „Sein Großvater Hans Wölffer würde sich die Haare ausraufen“, sagte der 64-Jährige.

Intendant Martin Woelffer betonte dagegen: „Unser Ziel ist nach wie vor, zwei Theater zu behalten.“ Doch sei er gegenüber dem Vermieter „rechtlich klar im Hintertreffen“ und müsse kompromissbereit sein. Am Freitag gab es ein Gespräch mit dem neuen Eigentümer des Ku’damm-Karrees, der Investmentgesellschaft Fortress. Laut Woelffer signalisierten Fortress-Vertreter, dass „mindestens ein Theater“ bestehen bleiben könne. Wahrscheinlich werde dies „eher die Komödie“ sein. Die Einzelheiten seien aber noch offen, Anfang Januar werde es ein weiteres Gespräch geben. „Wir haben den Eindruck, dass Fortress schnell vorankommen will“, sagte Woelffer. Dies sei auch dringend nötig, um den Spielplan für 2007 erstellen zu können. Noch gelte die Kündigung beider Bühnen zur Jahresmitte.

Aber nicht nur Woelffer hat Planungsprobleme. Theaterclub-Chef Laur beklagt sich über ständige Spielplanänderungen der Berliner Bühnen und Inszenierungen, in denen Regisseure ihre „erotischen Neurosen“ austobten. „Stinknormale Leute wollen auch mal wieder eine ganz normal inszenierte romantische Oper sehen, sie bezahlen schließlich auch Steuern.“ hema/CD

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