Berlin : Die Kopfuhr. Oder warum wir Eulen sind

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Die Hauptuhr des Körpers sitzt über den Augen , im so genannten suprachiasmatischen Kern. Der besteht aus einem kleinen Areal des Zwischenhirns, ein bis zwei Millimeter groß, direkt über dem Punkt, wo sich die Sehnerven kreuzen. Feine Fasern, die von den Augen dorthin führen, registrieren den Lichteinfall und bringen die Uhr so in den Gleichklang mit der Außenwelt. Diese Hauptuhr steuert viele Rhythmen im Körper, indem sie Nachrichten an die „ UnterUhren “ des Organismus weiterschickt. Denn jede Körperzelle hat ihre eigene Uhr, auch Leber- oder Nierenzellen zum Beispiel. Gesteuert werden diese kleinen Körperuhren aber auch von Uhren-Genen; bisher wurden etwa zehn gefunden. Wie die meisten anderen Gene produzieren auch sie Eiweiße, aber: Sobald eine gewisse Sättigung erreicht ist, wird die Produktion gestoppt, sobald die Sättigung nachlässt, wird sie wieder aufgenommen – und so entsteht ein Rhythmus . Die Phasen, sagt Ueli Schibler, ließen sich notfalls durch Gewöhnung verändern. Was sich aber nicht verändern lässt, ist, ob die Körperuhr grundsätzlich langsam oder eher schnell läuft, das ist genetisch festgelegt. Menschen, deren Uhr langsam läuft – wo also der Abbauprozess der Eiweiße trödelt – sind nachts länger wach und morgens müde; es sind „ Eulen “, im Fachjargon. Wenn die Uhr, also der Eiweißabbau, schneller läuft, ist der Mensch abends früher müde, aber dafür ist er dann morgens fit. Er ist eine „ Lerche “, sagen die Experten. rcf

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