Berlin : Die Kraft der Frauen

Maren Valenti hatte einst einen Kurzauftritt bei den Eisbären – nun will sie mit den OSC Ladies den Titel holen

Jutta Meier

Zumindest was den Händedruck betrifft, steht Maren Valenti ihren männlichen Kollegen in nichts nach: der ist erstaunlich kräftig. Und nicht nur beim Händeschütteln packt die Eishockeyspielerin zu. Auch auf dem Eis ist sie nicht zimperlich, wenn sie mit ihrer Mannschaft, den OSC Ladies, auf die Jagd nach dem Puck geht. Zweimal in Folge waren die Berlinerinnen bereits Vizemeister, in dieser Saison soll es nach 1991 endlich wieder einmal mit dem Titel klappen.

Die Chancen dafür stehen gut. Am Samstag gewannen sie gegen den Aufsteiger GSC Moers mit 14:1, gestern 5:4 gegen Braunlage. Acht Nationalspielerinnen spielen bei den Ladies – so viel wie in keinem anderen Team der Bundesliga. Drei von ihnen waren sogar 2002 in Salt Lake City bei der ersten Olympia-Teilnahme eines deutschen Fraueneishockey-Teams dabei: Claudia Grundmann, Anja Scheytt und Maren Valenti.

Im Gegensatz zu anderen Eishockeyspielerinnen hat es Valenti bereits geschafft, die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen: 1998 trainierte sie vier Wochen lang mit den Männern der Berliner Eisbären. Obwohl Frauen im Eishockey in Männerteams mitspielen dürfen, war das in der Deutschen Eishockey-Liga bis dahin noch nie der Fall gewesen. Über ihre 44 Sekunden Spielzeit, die sie dann aber tatsächlich nur in einem Testspiel gegen die Kassel Huskies bekam, wurde in den Medien mehr berichtet als jemals zuvor oder danach über Fraueneishockey. Bei diesem kurzen Auftritt blieb es dann aber auch. Der Eishockey spielenden Männerwelt blieb die 27-Jährige trotzdem noch eine Weile erhalten: 24 Spiele bestritt sie für den Zweitligisten EHC Freiburg. „Letztlich ist man als Frau doch nur das fünfte Rad am Wagen“, sagt sie. Trotzdem: „Ich habe wertvolle Spielerfahrung sammeln können.“ Die hat sicher auch dazu beigetragen, dass die Sainte-Julie Panthers aus der kanadischen Fraueneishockey-Liga (NWHL) auf sie aufmerksam wurden. Dort spielte sie eine Saison und kehrte 2001 zurück zum Mannheimer ERC, bei dem sie schon zuvor einige Jahre im Frauenteam gespielt hatte. „Schweren Herzens“, sagt sie, „aber die Olympiavorbereitung stand an.“ Und die sei ihr doch wichtiger gewesen.

Seit Oktober spielt Maren Valenti nun für den OSC. Und das, obwohl sie dafür zwischen Mannheim und Berlin pendeln muss. In Mannheim wohnt sie noch, weil sie dort ihre Ausbildung zur Mediendesignerin macht. Am OSC-Training kann sie so nicht teilnehmen. „Das ist natürlich nicht gut“, sagt sie, „aber das ist es mir wert.“ In Mannheim habe zuletzt der Teamgeist völlig gefehlt. Dass der dagegen eine besondere Stärke der OSC Ladies ist, weiß auch ihr Trainer Robert Köppen. „Der Zusammenhalt im Team ist wirklich sehr gut“, sagt er. Und gerade weil die Endrunde Mitte März in Berlin ausgetragen wird, „wollen wir auf jeden Fall dabei sein“.

Diesmal sind die Spielerinnen sicher auch auf die tausend Zuschauer vorbereitet, die in der Regel zu den Play-off-Spielen kommen. „Das hat viele in der letzten Saison nervös gemacht“, sagt Madeleine Tetzner, Damenwartin der Ladies. „Zu den Punktspielen kommen meist nur etwa hundert.“ So viele waren es auch am Wochenende. Das Interesse am Fraueneishockey ist gering, dabei gibt es immer wieder Mädchen und junge Frauen, die sich beim OSC nach Eishockey erkundigen. „Das Problem ist, dass die schon ein gewisses Spielniveau haben müssen“, sagt Tetzner. Denn in Berlin gibt es neben den OSC Ladies nur noch die DEC Eishasen, die in der Zweiten Bundesliga spielen. Ein Einstieg auf Anfängerniveau ist in Berlin so nur in einem Männerteam möglich. „Junge Mädchen versuchen wir in unseren männlichen Jugend-Teams unterzubringen“, sagt Tetzner. Bei den Männern spielen auch viele der OSC Ladies noch zusätzlich. So spielt Tetzner zum Beispiel bei den OSC-Männern in der Landesliga und Valenti bei den Männern der Hügelsheim Hornets in der Regionalliga. Ob sie da mehr lernen als einen kräftigen Händedruck, wird sich am Ende der Saison zeigen.

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