Die Krankengeschichte : Manfred Schmidt, 65

Diagnose: Hirntumor (Glioblastom) Behandlung: Operative Entfernung des Tumors Klinik: Charité Klinik für Neurochirurgie

152636_3_schmidt590.jpg Foto: Mike Wolff
Foto: Mike Wolff

Diagnose:

Hirntumor (Glioblastom)
Behandlung: Operative Entfernung des Tumors im Mai 2007
Klinik: Charité Klinik für Neurochirurgie

Vorgeschichte: Manfred Schmidt lebt in Hohnstein in der Sächsischen Schweiz. Am 3. Januar 2007 – da war er zu Besuch bei seiner Tochter in Leipzig – bekam er urplötzlich einen epileptischen Anfall. Als er zwei Stunden später wieder zu sich kam, lag er auf der Intensivstation eines Leipziger Krankenhauses. „So einen Anfall hatte ich vorher nie, das hat mir etwas Angst gemacht.“

Die erste Operation: Dann kam der Schock. „Sie haben einen Gehirntumor, wir müssen operieren“, sagten ihm die Ärzte. Denn es war eine bösartige, schnell wachsende Form, ein Glioblastom. An das, was er bei dieser Nachricht empfunden hat, kann sich Manfred Schmidt nicht mehr erinnern. Da wucherte etwas in seinem Kopf, was soll man da denken, außer: „Raus damit!“ Dann die Operation in Leipzig. Der Tumor liege gut für den Eingriff, sagten die Ärzte, direkt am Sehzentrum. Zehn Tage später entließ man ihn, als operiert, nicht als geheilt. „Unser Programm ist durch. Eine weitere Operation bringt nichts“, bescheinigte man ihm. Ärzte müssen wohl so sein: professionell distanziert. Schmidt sagt, sie waren dabei nicht sehr überzeugend. Es folgte eine Tortur: Chemotherapie und gleichzeitig Bestrahlung. So etwas macht jeden Körper fertig. Aber Manfred Schmidt, nach der Operation misstrauisch, schöpfte langsam Hoffnung. Er erwischte sich dabei, wie er „fast vorbei“ dachte.

Die zweite Operation: Zwei Monate später der zweite Schock. Es ist nicht vorbei, der Tumor ist wieder da. Und rasend schnell auf Golfballgröße gewuchert. Schmidts Töchter – er hat drei – recherchierten im Internet, fanden den Hirnchirurgen Peter Vajkoczy, fuhren zu einem Fachkongress, auf dem Vajkoczy redete, und sprachen ihn an: „Unser Vater braucht Ihre Hilfe.“ Ende Mai liegt Manfred Schmidt in der Neurochirurgie am Virchow-Klinikum in Wedding. Er wird das zweite Mal operiert. Die neue und die alte Wundnaht sehen jetzt aus wie das Logo einer Fastfood-Kette. „Ich kann für die Reklame laufen“, sagt Manfred Schmidt. „Bis die Haare wieder nachgewachsen sind.“ Die Schmerzen seien erträglich. Das Sichtfeld des rechten Auges sei geschrumpft durch die Operation in der Nähe des Sehnerves. „Alleine durch das Elbsandsteingebirge werde ich wohl nicht mehr wandern können.“ Aber der Tumor ist raus. Zum zweiten Mal.

Das Leben danach: Kommt der Tumor ein drittes Mal? Die Chancen, dass die Chemotherapie diesmal wirken wird, stehen nicht schlecht. Schmidt wird an einer Arzneistudie mit neuen Wirkstoffen an der Charité teilnehmen. „Ich habe in meinem Leben gelernt, mich durchzuboxen. Meine Familie stützt mich dabei.“ Und es sei wichtig, gute Freunde zu haben. Während er das sagt, zittert seine Stimme nur ganz leicht. I.B.

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