• Die Kreuzberger Videothek darf vorbehaltlich noch stärkeren Jugendschutzes wieder Filme verleihen

Berlin : Die Kreuzberger Videothek darf vorbehaltlich noch stärkeren Jugendschutzes wieder Filme verleihen

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Genau drei Wochen nach ihrer Schließung durch das Wirtschaftsamt hat die Szene-Videothek "Videodrom" an der Mittenwalder Straße gestern wieder ihre Türen öffnen können. Vorausgegangen waren Gespräche mit Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) und dem Wirtschaftsamt, bei denen die Betreiber versicherten, dass Jugendschutzbestimmungen und andere gesetzliche Vorschriften "weiterhin und noch stärker befolgt" würden. Das Amt kündigte an, dies zu überwachen.

Unabhängig davon dauern die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen jedoch an. Nach der Durchsuchung vom 23. November sind noch auf unabsehbare Zeit fast 700 Filme sowie elf Computer und Akten mit der gesamten Kunden- und Lieferantenkartei beschlagnahmt. Dadurch ist der Versand, der rund die Hälfte des Umsatzes ausmachte, "vorerst nicht betriebsfähig", beklagt Videodrom-Mitarbeiter Thomas Klein. Auch der Verkauf in einem Keller soll erst heute wieder beginnen. Gestern startete zunächst nur der Verleih.

Die Ladeninhaber Ines Ruf und Karsten Rodemann freuten sich einerseits, fragten sich aber auch, warum die Einigung nicht rascher erzielbar war. Anscheinend hätten nicht zuletzt die Proteste vieler Künstler und kritische Medienberichte den Meinungswandel bewirkt. Das Wirtschaftsamt wolle wohl "nicht als Feind der Kultur" gelten. Die Finanzlage der Videothek bleibe, vor allem wegen des fehlenden Versands, schwierig. Die Solidaritätsaktionen sollen weitergehen. So gab es gestern Abend ein Konzert im "Columbia-Fritz", und für Freitag ist eine Podiumsdiskussion in der Akademie der Künste geplant (19.30 Uhr im Hauptgebäude am Moabiter Hanseatenweg).

Videodrom hat rund 15 000 Filme im Angebot, zu den Schwerpunkten gehören fremdsprachige Originalfassungen, seltene Filmkunst, japanischer Zeichentrick, Horrorstreifen, Science Fiction und schwul-lesbische Produktionen. Die insgesamt 13 Mitarbeiter bleiben dabei, dass man keine indizierten Filme wissentlich an Jugendliche abgegeben habe. Allerdings hätten Kunden diese Praxis umgehen können, indem etwa ein Erwachsener seinem jüngeren Bruder den Mitgliedsausweis lieh. Wenn Filme bundesweit beschlagnahmt worden seien und damit auch nicht an Erwachsene abgegeben werden durften, habe man die Videos sofort aus den Regalen entfernt. Bei der Razzia seien nur im Lager entsprechende "verstaubte Einzelstücke hinter einer verschlossenen Stahltür" gefunden worden. "Was hätten wir denn tun sollen - die Filme verbrennen?" fragt Thomas Klein.

Künftig will man auf Videos verzichten, bei denen eine Indizierung oder Beschlagnahme mit hoher Wahrscheinlichkeit bevorsteht. "Wir hatten Filme im Programm, bei denen wir wussten, die werden wohl bald auf den Index gesetzt", geben die Betreiber zu.

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