Berlin : Die Kreuze müssen fallen

Bankaktiengesellschaft besteht auf Räumungstermin

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Die Gedenkstätte für die Mauertoten am Checkpoint Charlie soll am 5. Juli geräumt werden. Darauf besteht die Bankaktiengesellschaft Hamm (BAG). Sie hält die Rechte an den Flächen auf beiden Seiten der Friedrichstraße, auf denen über tausend Kreuze an die Opfer des DDRGrenzregimes erinnern. Die BAG hat eine Räumungsklage gegen die Chefin des Museums am Checkpoint Charlie, Alexandra Hildebrandt, gewonnen. Hildebrandt hatte das Gelände von der BAG gepachtet und Ende Oktober 2004 die Kreuze und einen rund 140 Meter langen Mauerstreifen aufstellen lassen. Seither ist die Gedenkstätte zu einem Anziehungspunkt für Touristen geworden.

Die BAG hatte die Flächen allerdings nur bis Ende 2004 verpachtet. Aus der Erklärung der BAG geht hervor, dass es Kaufinteressenten für die Flächen gab. Diese aber hätten die „Übergabe eines geräumten, pachtfreien Grundstücksareals“ verlangt. Aus der Erklärung der BAG geht nicht hervor, dass sie immer noch Interessenten für die Grundstücke hat. Vielmehr sei man „gegenüber möglichen Interessenten gesprächsbereit“, die die Flächen zu einem „marktgerechten“ Preis kaufen wollten. Museumschefin Hildebrandt sagte, ihr seien als Kaufpreis 36 Millionen Euro für beide Grundstücke genannt worden.

Seit Dienstag versucht Hildebrandt, im Namen der Rainer-Hildebrandt-Stiftung Geld für die beiden Immobilien zusammenzubekommen. Sie würde gerne mit der BAG ins Geschäft kommen, wenn sie innerhalb eines halben oder ganzen Jahres eine Summe zusammenhat, die als Anzahlung genommen werden könnte. Außerdem bemüht sie sich um Unterstützung bei der Wirtschaft und der Politik, die sie von der Berliner CDU auch erhalten hat. Ein Sprecher von Daimler-Chrysler hat ebenfalls für die Erhaltung der Gedenkstätte geworben und daran erinnert, dass der Checkpoint Charlie auch das Engagement der Vereinigten Staaten für Deutschland und Berlin symbolisiere.

Hanns Peter Nerger, Chef der Berlin Tourismus Marketing, erwartet einen Imageschaden für den Fall, dass das Mahnmal abgerissen wird. Hildebrandt hofft auf ein Einlenken der Bank beim Räumungsdatum. Kultursenator Thomas Flierl (PDS) hat keine konkreten Pläne für die Flächen. Er sieht sich erst dann wieder in der Pflicht, wenn die Grundstücke irgendwann verkauft sind. Dann könnte in Absprache mit einem Investor ein Ort des Gedenkens an den Kalten Krieg entstehen. wvb.

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