Berlin : DIE KÜNSTLERIN

Foto: Kai-Uwe Heinrich
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Bente Stokke,

60, stellt das Restprodukt eines Verbrennungsvorgangs ins Zentrum ihrer Arbeit und bedeckt damit seit den 1980er Jahren alltägliche Gegenstände wie Fenster, Wände oder ganze Räume. 1990 warf die gebürtige Norwegerin auf

Einladung der Biennale von Venedig dort sieben Tage lang in

der alten Seilerei des Arsenals Asche an die Wand – ein ebenso sinnliches wie konnotiertes Material, das schon in der Bibel eine symbolhafte Funktion erfüllt und immer wieder auch für die Schrecken von Zivilisationen steht. Bei Bente Stokke, die seit 2006 als Professorin für Zeichnung an der Kunsthochschule Weißensee lehrt, erscheint die Asche allerdings zunächst „nur“ als Material. Sobald man aber weiß, dass sie die Asche aus Müllverbrennungsanlagen bezieht, wächst dessen Bedeutung. „Substrat der modernen Zivilisation“ nennt Michael Hübl diesen Stoff im jüngst erschienenen,

umfangreichen Werkschau-Katalog „Bente Stokke. Projects 1982 - 2012 (Kerber Verlag, 256 S., 45 €). Er enthält, was uns täglich umgibt und doch für wertlos befunden wurde. Ein Konzentrat des Alltags, das Bente Stokke erneut in den Blick des Betrachters rückt. cmx

0 Kommentare

Neuester Kommentar