Berlin : Die Kulturburg

Neue Pläne für Nutzung der Spandauer Zitadelle Mehr Gastronomie und Unterhaltung

Rainer W. During

Im früheren Labor auf der Bastion Brandenburg der Spandauer Zitadelle soll ein Panoramacafé entstehen, dessen Besucher über die Wälle der Festung auf die Havel blicken können. Vorgesehen ist auch, die in der ehemaligen Exerzierhalle gezeigten Kanonen auszulagern und das Gebäude als Veranstaltungssaal zu verpachten. Für beide Standorte sind kurzfristige Ausschreibungen geplant.

Die ursprüngliche Burg und spätere Renaissancefestung soll als Kulturdenkmal verstärkt ins internationale Interesse gerückt werden. Das sieht ein neues Nutzungskonzept vor. Nachdem vom Senat bereits rund 50 Millionen Euro in die Sanierung investiert wurden, gilt es jetzt, die Zitadelle aus sich heraus weiter zu entwickeln. Potenzial ist vorhanden, gut ein Drittel der Bauten steht leer oder wird nur zu Lagerzwecken genutzt. Unter Beibehaltung der bisherigen, bezirklichen Kulturveranstaltungen sollen der Anteil überregional bedeutender Ausstellungen sowie die gewerbliche Nutzung erweitert werden, sagte Manfred Kühne, Leiter der Obersten Denkmalschutzbehörde Berlins.

Im einstigen Kasernengebäude ist eine Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums zur Militärgeschichte geplant. Für ein Projekt im alten Magazin wurden bereits Lottomittel beantragt. Rechtzeitig zum 450. Jahrestag der Zustimmung der brandenburgischen Landstände zum Bau der Zitadelle soll 2009 von der Stiftung Neue Kultur die Ausstellung „Spuren Suche“ fertiggestellt werden. Hier sollen Großskulpturen aus der Berliner Geschichte von der Kaiserzeit über das Dritte Reich bis zur geteilten Stadt Nachkriegszeit gezeigt werden. Dazu gehören auch die Figuren der einstigen „Siegesallee“. Die bereits auf der Zitadelle tätigen Kunsthandwerker könnten zusammen mit neuen Kollegen in einer Art Markthalle konzentriert werden, die auf touristische Nachfrage ausgerichtet ist. Das gemeinsam vom Bezirksamt und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung entwickelte Konzept fand bereits das Wohlwollen der Mitglieder im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses.

Gestern tagten Vertreter von 14 Festungen aus Deutschland, Polen, Litauen und Russland auf der Zitadelle. Ab Mitte nächsten Jahres soll die Baltische Festungsroute von Dömitz an der Elbe über Spandau und Küstrin bis nach Kaliningrad führen. Ziel ist es, an den Standorten kulturelle Angebote zu schaffen und miteinander zu verknüpfen. Spandau kann dabei für viele der Festungspartner als „das absolute Vorbild dienen“, so der Manager des EU-Projektes, Hartmut Röder. Touristen können dann unterschiedliche Tourenpakete buchen. Das soll neue Besucher nach Berlin locken. Die ersten Gäste aus den USA haben sich bereits angesagt.

Um angesichts leerer Kassen auch die Sanierung von Fort Hahneberg und Burgwallschanze voranzutreiben, sucht Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU) nach einem neuen Betreibermodell für alle drei Spandauer Festungsanlagen. Noch in diesem Monat soll eine Arbeitsgruppe gebildet werden, die Möglichkeiten von einer Stiftung bis zum landeseigenen Betrieb prüfen wird.

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