Berlin : DIE KUNST DER KÜNSTLER

Im Karussell.

Auch wenn Raimund Kummer als Bildhauer gilt, so ist er doch auch Fotograf – vor acht Jahren eröffnete er mit seinen Aufnahmen das Museum für Fotografie in Berlin. Mit seiner Installation „nóstos álgos“ (griech. f. Nostalgie) in der Galerie der Braunschweiger Hochschule für Bildende Künste, wo er lehrt, führt der Künstler die beiden Stränge wieder zusammen (bis

20. Dezember). 81 Diaprojektoren des Typs Kodak Carousel sind auf hochbeinigen Podesten eng beieinander im Raum platziert. Sie werfen keine Bildmotive, sondern mal hellere, mal dunklere Lichtflächen in zufälligem Rhythmus an die Wand. Durch ihr Klickgeräusch besitzen sie zugleich akustische Präsenz. Die Installation ist weniger eine wehmütige Erinnerung an ein Gerät, das kaum noch benutzt wird, als eine Hommage an sein künstlerisches Überleben, an die Freiräume, die es bietet.

Raimund Kummer, 58,

ist für die jüngere Berliner Kunstgeschichte fast so etwas wie Urgestein. Mit Fritz Rahmann und Hermann Pitz gründete er Anfang der Achtziger das legendäre „Büro Berlin“, das in der Stadt, im Straßenbild die Kunst entdeckte. So verhalf Kummer etwa einem Haufen Doppel-T-Trägern inmitten einer Baustelle durch rote Übermalung zu Berühmtheit. Einer der Stahlträger sollte in zahlreichen weiteren Installationen immer wieder auftauchen. Kummer & Co. nahmen damals vieles vorweg, was nach dem Mauerfall für internationale Künstler, die herzogen, den Reiz der Stadt ausmachte.

Zu dem Zeitpunkt aber interessierte sich der Bildhauer längst für andere Dinge und hatte in Murano Glas als Werkmaterial für sich entdeckt, mit dem er opulente Arrangements entwickelte. Immer wiederkehrendes Thema ist das Auge, der Vorgang des Sehens. NK

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