Berlin : DIE KUNST

Wörtermeer.

Vier Figuren in den Wogen eines Romans. Um die Postüberwacher in Stuttgart-Stammheim in die Irre zu führen, gab Gudrun Ensslin sich und den anderen RAF-Gefangenen Decknamen aus Herman Melvilles „Moby Dick“. Andreas Baader wurde zu „Ahab“, Holger Meins zu „Starbuck“, Jan-Carl Raspe zu „Zimmermann“, Ensslin selbst nannte sich „Smutje“. Brigitte Waldachs Triptychon: „Die Welle (Moby Dick)“ setzt sich aus vier verschiedenen Blautönen zusammen, die den in den Fluten treibenden Körpern zugeordnet sind: Meins-Hellblau, Raspe- Mittelblau, Baader-Kobaltblau, Ensslin-Dunkles Preußischblau.

Im linken Bildteil befinden sich hauptsächlich „Moby Dick“-Zitate, während im mittleren und rechten Teil des Triptychons aus Selbstaussagen und Zeitzeugenberichten zu den einzelnen Personen zitiert wird. Die roten Sprachspuren an den Körpern sind Charakteristika, die Gudrun Ensslin in der Sprache Melvilles den RAF-Mitgliedern zuschrieb. Sie selbst schwimmt in einem roten Heiner-Müller-Zitat: „Die Geschichte der RAF war ein einziger rasender Monolog“, das in einer Aussage Ensslins mündet: „Zerstörung erscheint als Selbstzerstörung.“

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