Berlin : DIE KUNST

Elektrifizierung der Bibel

nennt Reinhard Stangl seine soeben in der Berliner Galerie Lux eröffnete Ausstellung, die neben mehr als 30 bisher noch nicht gezeigten Bildern auch das oben abgebildete „Babylon“ enthält. Der Titel der Schau meint dabei kaum etwas Biblisches, es ist eher eine ironische Anspielung auf den „Licht“-Namen der Galerie und das Fortschrittspathos etwa der russischen Revolutionskünstler. Tatsächlich geht es in den oft großflächigen Gemälden und Gouachen um eine malerische Sinfonie der vor allem nächtlich gleißenden, irrlichternd erleuchteten Großstadt – im bewussten Anklang zugleich an den explosiven, himmelstürmenden, formentürmenden Gestus des deutsch-berlinischen Expressionismus.

Die Farben kommen mitunter aber auch von südlichen Städten her, von São Paulo und Rio de Janeiro, wo der Berliner Stangl in den letzten Jahren immer wieder gearbeitet und mehrfach ausgestellt hat. Manchmal gleichen die Szenerien der Innenräume einem Film: Bars mit den letzten Tänzern, den berauschten Begierden, den übernächtigten Melancholikern. Die Ausstellung in der Galerie Lux am Schöneberger Südwestkorso 11a läuft bis zum 25. Februar. Dort gleich um die Ecke liegen auf dem Friedhof Stubenrauchstraße Marlene Dietrich und Helmut Newton begraben. Auch das passt ins Bild.

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