Berlin : DIE KUNST

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Wer sich die Hände vors Gesicht schlägt, der hat genug oder zu viel gesehen. Wie passend, dass Maria Vedder diese Geste unscharf und grobkörnig reproduziert – als wolle sie die Abgebildeten schützen. Tatsächlich aber führt gerade die Fotografie dazu, dass sich nun jeder ein Bild vom Seelenzustand der Porträtierten machen kann. Diese Ambivalenz der Medien ist eines von Maria Vedders großen Themen. Seit langem sammelt sie für ihr Projekt „No Senses“ Zeitungsbilder – darunter viele aus dem Tagesspiegel –, auf denen sich Menschen Augen, Mund oder Ohren zuhalten und so die Kommunikation mit der Umwelt einstellen. Mehr als 700 Fotos hat die Künstlerin gesammelt, in

einem Videoloop fügt sie sie zu einem Strom zusammen, der das Einzelbild im Übermaß der Eindrücke untergehen lässt. „Das Projekt endet nie, da Maria Vedder permanent weitersammelt“, heißt es auf ihrer Homepage. „Es sei denn, irgendwann gibt es keine Zeitungen mehr.“ Vedders Arbeiten sind noch heute bei tamtamART, Weichselstraße 8, zu sehen.

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