Berlin : DIE KUNST

Strandhaus und Vogelschwarm

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In Rothschilds Collage sind die Vögel mit Nadeln auf das Hintergrundmotiv gesteckt. Das erinnert an frühe naturkundliche Forschungstouren. Auch Rothschild ist auf Expedition gegangen: Sein Diptychon „Bird II“ versammelt Vorbilder aus der Malerei. Die Bildlegende auf dem zweiten Blatt informiert nicht über

die Arten, sondern über die malerische Herkunft: Rafael, Stefan Lochner, Andrea Mantegna, Fra Fillipo Lippi. Sie stellten in ihren Bildern aus dem 13. bis 19. Jahrhundert den Heiligen Geist in Vogelgestalt dar. Rothschild wendet das ikonografisch überlastete Motiv und kombiniert es mit einem Still aus Alfred Hitchcocks „Vögeln“. Der Klassiker des Horrorgenres trifft auf ein sakrales Sinnbild, an die Stelle der schwarz gefiederten Aggressoren treten weiße Tiere. Aber auch sie sind in dieser Vielzahl eine echte Plage. Und sie konterkarieren ihr eigenes religiöses Pathos, weil es den Heiligen Geist nur einmal geben kann. Im Schwarm zerfällt seine Einzigartigkeit, ein jeder interpretiert ihn nach seiner Art.

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