Berlin : DIE KUNST

Der vermessene Mensch.

Auch wenn die acht knapp 50 Zentimeter hohen Gebilde

wie Zelte aussehen und den Werktitel „Tipi“ tragen, so handelt es sich doch um Porträts. Barbara Steppe betreibt seit mehr als 15 Jahren eine besondere Form der Bildniskunst.

Sie bittet Menschen, Buch über ihre tägliche Zeiteinteilung zu führen – wie viel sie schlafen, essen, arbeiten, mit ihren Kindern spielen. Anhand dieser Daten entwickelt die Künstlerin eine formale Struktur für ihre Gemälde und skulpturalen Modelle. Die hier abgebildeten

Tipis entstanden auf der Grundlage von Tortendiagrammen, die Steppe auf Baumwollstoff übertrug und auf Aluminium-Zeltstangen spannte. So tritt die porträtierte Person dem

Betrachter zwar wieder physisch entgegen, doch bleibt sie weit davon entfernt, erkannt

zu werden. Er ahnt, dass die größten Farbflächen der Schlafenszeit gehören, einen Index aber gibt es nicht – eine Einladung dazu, den eigenen Tagesablauf zu reflektieren.

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