Berlin : DIE KUNST

Steinerne Blicke.

Die Einladung ging auf den Architekten zurück. Das Büro von David Chipperfield hatte vor drei Jahren Thomas Florschuetz gebeten, das Neue Museum während des Umbaus zu fotografieren, nachdem er bereits den Abriss vom Palast der Republik mit der Kamera verfolgt hatte. Das Kommen und Gehen der Steine, die Veränderung eines Baus, das war damals für den Berliner Fotografen eine völlig neue Herausforderung. Die Ergebnisse zeigen einen anderen

Florschuetz – und doch einen, den man kennt: Wie bei seinen Körperbildern, den Blütenporträts, den Fensteraufnahmen

geht es ihm um die physische Präsenz des Gegenübers. Der Fotograf vermeidet die Totalen, ist an einer eindeutigen

Sicht gerade nicht interessiert. Stattdessen delektiert er sich an den Schattenwürfen, den Lineaturen der Säulenschäfte, dem (noch) bröckelnden Putz und der haptischen Qualität einer Backsteinwand im Treppenhaus des Museums. Ob er

ein Architekturfotograf sei, wurde prompt gefragt. Unbedingt, lautet die Antwort, denn Florschuetz legt bloß, was in und jenseits von Volumina und Wänden existiert. Und sei es, dass er die Schönheit der Oberflächen offenbart. In der Galerie Diehl zeigt der Künstler unter dem Titel „Durchsicht“ nun seine Aufnahmen vom Neuen Museum, aber auch von Bauten Oscar Niemeyers in Brasilien und Louis Kahn in Kalifornien sowie andere Motive (Niebuhrstr. 2, bis 17. November).

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