Berlin : DIE KUNST

Nimm Platz.

Diese Aufforderung – in Großbuchstaben mitten auf die Wiese geschrieben – ist wörtlich zu verstehen.

Der Berliner Künstler Pfelder hat auf dem Bernsbachplatz in Chemnitz eine insgesamt 120 Meter lange Bank aus rot

lackierten Kanthölzern installieren lassen, deren Einzelteile eine schriftliche Einladung an jeden Passanten darstellen: sich niederzulassen und damit den städtischen Raum für sich in Anspruch zu nehmen. Tatsächlich wird dieses seit zwei Jahren geltende Angebot rege genutzt; sogar Veranstaltungen finden seitdem an dem eher unwirtlichen Ort statt, einer Kreuzung mehrspuriger Straßen. Chemnitz geht damit offensiv das schwierige urbane Erbe an, das ihm als einstiger

Industriemetropole und sozialistischer Vorzeigestadt in Gestalt riesiger Magistralen und gewaltiger Leerstände geblieben ist. In Pfelder hat sie ihren besten Verbündeten gefunden, der mit Empathie und Witz eine Gebrauchsanweisung gibt,

wie aus der Not eine Tugend zu machen ist. Den Anwohnern gefällt das Werk des Berliner Künstlers. Bis auf eine

Ausnahme: den Hausbesetzern, die ihr just am Bernsbachplatz illegal akquiriertes Quartier wieder räumen mussten.

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