Berlin : DIE KUNST

Rollenspiele.

Vier Mal gibt Else (Twin) Gabriel in einer Selbstinszenierung die „Scheiß Künstlerin“, wie sie drastisch ihre seit 2008 entstehende Fotoserie mit dem Untertitel „Ode ans Öde“ nennt. Gabriel kennt dabei keine Furcht, sich selbst als Vertreterin eines Systems vorzuführen, das beständig um sich kreist. Ob im Studio versponnen auf einem zerfetzten Repräsentationsstuhl sitzend

(der laut Angaben der Künstlerin

aus Hitlers Reichskanzlei stammt),

die Füße auf einem Berg Kronkorken, oder abgewiesen mit der Mappe voller Zeichnungen in der historischen Halle des Hamburger Bahnhofs hockend: Stets gibt sie die Midcareer-Künstlerin, deren Jugendbonus aufgebraucht ist und die den Durchbruch immer noch nicht geschafft hat. Mit ihrer (selbst-)ironischen Inszenierung spielt sie auf jenes Ghetto an, in dem sich Künstler häufig bewegen – „felsenfest überzeugt von der einzigartigen Wichtigkeit des eigenen Egos für die Gesellschaft“, wie sie sagt. Aktuell ist sie mit zwei Beispielen ihrer Serie in der Ausstellung „Kleider machen Leute?“ in der Neuköllner Galerie im Saalbau zu sehen (Karl-Marx-Str. 141, bis 24. 2.).

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