Berlin : DIE KUNST

Dunkle Mächte.

Bjørn Melhus ist ein begnadeter Verwandlungskünstler. Für seine Filme und Videoinstallationen schlüpft er in immer wieder andere Rollen – ob Schlümpfe, Soldaten,

biedere Familienväter oder Judy Garland als „Dorothy“ im „Zauberer von Oz“. Dass es sich bei diesen Verwandlungsspielen um messerscharfe Medienkritik und politische Analysen handelt, begreift der Betrachter meist erst auf den zweiten Blick. In seinem neuesten Film verkörpert Melhus die russisch-amerikanische Vordenkerin des Neoliberalismus Ayn Rand (1905–1982), die den reinen Egoismus als moralisch legitim propagierte. Der Künstler mimt diese Überfigur in 2,20 Meter Größe als finstere Gouvernante, die gerne züchtigend zur Reitgerte greift.

In seiner „Randi“ kreuzen sich „Darth Vader“ und „The Wicked Witch“, berühmte Figuren des US-Kinos. Als „experimentellen Phantasy-Film“ beschreibt Melhus sein Werk, dessen erster Teil gerade im ehemaligen Krematorium im Wedding abgedreht wurde. Der zweite folgt im Frühjahr

in Istanbul. Im Krematorium, in den Räumen der Galerie Patrick Ebensberger, ist auch Melhus’ Ausstellung „Liberty Park“ zu sehen (gegenüber Plantagenstr. 10, bis 15.2.). Am 19.1. führt der Medienkünstler durch die Schau, am 16.2. gibt er eine Lecture-Performance (jeweils 15 Uhr).

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