Berlin : Die Landung des weißen Riesen

Viele Schaulustige waren dabei, als gestern der neue Airbus A380 erstmals in Schönefeld einschwebte Das weltgrößte Passagierflugzeug kann auf der Internationalen Luftfahrt-Ausstellung besichtigt werden

Andreas Conrad

Damit hatte Mario Raimann, Flugzeugschlepper-Fahrer auf dem Flughafen Schönefeld, nicht gerechnet. Zwar war er gestern eingeteilt, um auf dem Areal der Internationalen Luft- und Raumfahrt-Ausstellung (ILA) das eingeschwebte Fluggerät hin- und herzubugsieren. Aber den Airbus A380 bewegen, das größte Passagierflugzeug der Welt, nachdem er zum ersten Mal in Berlin gelandet ist? Nein, das kam ganz kurzfristig. Irgendeine Umplanung, und er war eben zur rechten Zeit am richtigen Ort. Ob er Angst vor großen Flugzeugen habe, fragte ihn noch jemand im Scherz. Nein, hat er nicht. Und schon saß er am Steuer seines Schleppfahrzeugs, das durch zwei Schriftzüge je Seite – „A380 ready!“ – eigens dekoriert worden war. Er kurbelte nach rechts, nach links, musste auch mal abkuppeln und den Schlepper umsetzen, bevor es im Schritttempo weiterging. Rund 300 Tonnen dreht man nicht so ohne weiteres auf der Stelle, da muss man rangieren; vor und zurück. Nicht das Gewicht sei das Problem, sondern die Größe, hat der 29-jährige Raimann erkannt, der seit sechs Jahren bei der Firma GlobeGround Berlin Flugzeuge hin- und herschiebt. Diesmal wurde ihm assistiert von einem halben Dutzend Helfern auf dem Asphalt, die Anweisungen gaben, wohin er seinen Riesen zu schieben habe. Auf die musste er sich verlassen, aber ein wenig stolz ist er jetzt schon: „Ich war der Erste.“

Ein Debüt vor Publikum. Wenn solch ein Riesenvogel landet, lockt das Hunderte an: Journalisten natürlich, aber auch Ausstellungspersonal, das den Aufbau seiner Stände unterbricht, cool herumschlendernde Bundeswehr-Piloten, die Uniform mit Abzeichen und Aufnähern gepflastert, schließlich die Heerschar der Flugzeug-Enthusiasten, die es irgendwie schaffen, schon vor der Eröffnung einen Blick auf die Objekte ihrer Begierde zu werfen. Meist sind es Männer, die mit allem fotografieren, was gerade zur Hand ist, ob Kamera oder Handy. Vornehmlich knipsen sie die Maschinen, gern auch sich selbst vor diesen Maschinen.

Dabei war die Landung unspektakulär. Gewiss, man wusste, jetzt kommt das allergrößte, hier zuvor unbekannte Flugobjekt, aber wer auf qualmumschwebten Bodenkontakt direkt vor seinen Augen gehofft hatte, wurde enttäuscht. Weit weg von allen Schaulustigen war der Airbus mit der Kennung F-WWDD heruntergekommen, am Anfang der Piste eben, nicht dort, wo das Publikum stand. Er sollte ja nicht übers Ziel hinausschießen.

Doch hatte danach jeder, der wollte, hinreichend Gelegenheit zum Bewundern der Maschine, die den Jumbo, die Boeing 747, von ihrem jahrzehntelang gehaltenen Spitzenplatz als Riese der Lüfte ablöst. Der Rumpf der anderen Airbus-Modelle – neben dem A380 sind auch der A340 und der A318 zu sehen – wirkt zigarrenförmig, kreisrund im Querschnitt. Beim Riesenvogel erinnert der Schnitt durch den Rumpf eher an ein Ei, wegen der Sitzreihen im Oberdeck. Und kein Passagier, der solch eine Maschine durch die angedockten Fluggastbrücken betritt, wird die mächtigen Schwingen in irritierender Ruheposition zu Gesicht bekommen: In sanftem Bogen neigen sie sich dem Boden zu, erst im Auftrieb richten sie sich auf.

Kurz nach 13 Uhr war der A380 gestern in Schönefeld gelandet, viel Zeit auf dem Parkplatz hatte er nicht. Gegen 16 Uhr stand die erste offizielle Runde auf dem Programm: der Abnahmeflug. Ohne den geht gar nichts auf der ILA – auch nicht für den König unter den fliegenden Riesen. Gerade für den nicht.

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