Berlin : Die Langen und der Laute

Königs Wusterhausens unterschiedliche Museen: das Schloss Wilhelms I. und der Funkerberg.

Waidmannsheil. Vom Schloss in Königs Wusterhausen schwärmten die preußischen Könige zur Jagd aus. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Waidmannsheil. Vom Schloss in Königs Wusterhausen schwärmten die preußischen Könige zur Jagd aus. Foto: Kai-Uwe Heinrich

Gegensätzlicher könnten die beiden bekanntesten Museen in Königs Wusterhausen kaum sein. Im Stadtzentrum hält das restaurierte Jagdschloss die Erinnerung an die Leidenschaften des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. wach, und das Funkerbergmuseum am Ortsrand versteht sich als Bewahrer der „Wiege des Rundfunks“ in Deutschland. Beide können entweder vor dem Start unserer sechsten Radtour oder im Anschluss daran besichtigt werden. Es lohnt sich aber auch ein Extra-Ausflug nach „KW“ unweit des südöstlichen Berliner Stadtrandes, das gut mit dem Regionalexpress oder mit der S-Bahn zu erreichen ist.

Da hatten es die Grenadiere in der Garde des Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm I. schon schwerer. Die Soldaten, als „Lange Kerls“ in die Geschichte eingegangen, waren nicht nur Zwei-Meter-Männer, sie mussten auch noch extra hohe Mützen und lange Vorderladergewehre tragen. Das 1709 ins Leben gerufene Korps paradierte nicht nur in Wusterhausen, das 1717 den Zusatz „Königs“ erhielt, sondern auch in Potsdam und Berlin. Doch hauptsächlich mussten sie ihr Gardemaß auf der Jagd und in Feldzügen des Soldatenkönigs einsetzen. Die überlangen Gewehre konnten sie am schnellsten laden.

Eine weitere Tradition geht auf Königs Wusterhausen zurück. Von August bis November verbrachte Friedrich Wilhelm I. dort alljährlich mit seiner Familie glückliche Tage und berief allabendlich sein Tabakskollegium ein. In geselliger Runde wurde dann Politik gemacht.

200 Jahre später drangen ganz andere Botschaften aus der Stadt in die Welt. Auf dem Funkerberg gelang am 22. Dezember 1920 erstmals eine Rundfunk-Übertragung von Instrumentalmusik. Postangestellte spielten damals Weihnachtslieder, die auch in Luxemburg, Holland, England und Skandinavien gehört wurden. In Deutschland war zu dieser Zeit das private Rundfunkhören noch verboten.

Das schwerste Erinnerungsstück an die Blütezeit des Rundfunks macht bis heute einen Höllenlärm: ein 1937 gebauter Dieselmotor mit 1000 PS diente der Stromerzeugung für Sendeanlagen. Ste.

www.spsg.de und www.funkerberg.de

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben