Berlin : Die lautesten Cellisten der Welt

AUFTRITT DER WOCHE Apocalyptica sind auf Tour Am Sonntag machen die Finnen in Berlin Halt

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Jetzt mit festem Sänger. Das Konzert beginnt am Sonntag um 20 Uhr in der Columbiahalle. Karten kosten 29 Euro. Foto: promo
Jetzt mit festem Sänger. Das Konzert beginnt am Sonntag um 20 Uhr in der Columbiahalle. Karten kosten 29 Euro. Foto: promo

Nackt werden die Finnen am Sonntag wohl nicht in der Columbiahalle auftreten. Dabei erzählen Apocalyptica gerne davon, dass sie sich für die Studioaufnahmen zum Instrumentalstück „Beautiful“ komplett ausgezogen haben. „Wir mussten etwas tun, um uns im Studio in eine besondere Stimmung zu bringen“, sagt Band-Nesthäkchen Perttu Kivilaakso. Aber im Konzert sollen die Klamotten anbleiben: „Das Publikum soll sich einfach auf die Musik konzentrieren.“

Der 32-Jährige ist neben den Gründungsmitgliedern Eicca Toppinen und Paavo Lötjönen der dritte Cellist der Band. Komplett und noch viel lauter wird sie durch den Schlagzeuger Mikko Siren.

Für die Tour zu ihrem neuen, siebten Album „7th Symphony“ haben die Finnen zum ersten Mal einen festen Sänger zum Mitreisen engagiert: ihren Landsmann, den ehemaligen Leningrad Cowboy Richard Johnson. Er wird seine Stimme über viele Melodien legen, die Apocalyptica in den vergangenen Jahren mit prominenten Gastsängern aufgenommen haben: darunter Sandra Nasic von den Guano Apes, Rammstein-Kopf Till Lindemann und Nina Hagen.

Auf dem neuen Album hat Bush-Sänger Gavin Rossdale den rockigen Titel „End of me“ mit der Band eingesungen. Härter geht es auf „7th Symphony“ in vielen Instrumentalstücken zur Sache, in der blechernen Metal-Orgie „2010“ zum Beispiel, zu dem Slayer-Schlagzeuger Dave Lombardo einen Gastbeitrag leistet. Und man sich schon vorstellen kann, dass die Cellisten auf der Konzertbühne wieder ihre Fähigkeit zum Multitasking unter Beweis stellen werden: indem sie Headbangen und gleichzeitig im Stehen Cello spielen.

Eine spezielle Technik für diese Performance bestreitet Perttu Kivilaakso: „Ich weiß selbst noch immer nicht, wie das geht.“ Aber das Headbanging habe in diesen Momenten auf jeden Fall Priorität. Den sehr speziellen Stil seiner Band beschreibt Kivilaakso als „beunruhigend-chaotische Cello-Performance mit Elementen des Rock, Metal, der klassischen und elektronischen Musik.“

Das textilfrei aufgenommene „Beautiful“ erinnert an die Anfänge der Band: Es klingt wie eine bittersüße Coverversion – dabei ist es eine Eigenproduktion der Band, deren Gründungsmitglieder Mitte der neunziger Jahre klassisches Cello an der renommierten Sibelius-Akademie in Helsinki studierten. Sie alle waren leidenschaftliche Metallica-Fans. In ihrem Bandnamen „Apocalyptica“ verschmolzen sie deshalb auch Metallica mit dem Wort Apokalypse.

1996 erschien das erste Album mit Coverversionen ihrer Lieblingsband. Die einerseits unerschrocken kitschig waren. Und andererseits zeigten, dass das Cello auch in den härteren Passagen durchaus ein metalfähiges Instrument ist. Nachdem die Band auf dem Album-Nachfolger „Inquisition Symphony“ auch Sepultura, Pantera und Faith No More auf die Cellosaiten übertrug, ging sie langsam – und zum Bedauern der damaligen Plattenfirma – auf Abstand zu den Coverversionen. „In den Konzerten spielen wir aber alles“, sagt Kivilaakso. Ein Drittel des Programms seien neue Songs, ein Drittel ältere, und dann kämen natürlich auch die ganz alten Stücke. Die perfekte Mischung für einen Abend voller Weltuntergangsstimmung. Hoffentlich halten das die Instrumente durch. Kivilaakso beruhigt: „Es ist schon lange her, dass ich mein letztes Cello kaputt gemacht habe.“ Er werde wohl langsam erwachsen. Rita Nikolow

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