Berlin : Die leere Stadt

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber über

Berlin im Sommer

Wunderbar: In Berlin ist es warm wie in Bangkok, aber es stinkt nicht so. Man kann fast so viel sehen und erleben wie in New York, aber es ist nicht so teuer. Man kann draußen sitzen und Biere trinken bis zum Blähbauch – und ahnt, dass dies bald ein Ende haben wird. Weil sich die „Draußen letzte-Runde-um-22-Uhr“-Regelung durchsetzen wird. Weil es bald wieder regnen wird. Weil bald der Herbst kommt.

Aber zur Zeit macht Berlin einfach Sommer-Freude: Die Stadt ist so leer, dass nicht mal der übliche Berliner Autofahrstil den Betrieb verlangsamt. Und doch ist so viel los, dass man jeden Tag aufs Neue den großen Unterschied zwischen der Stadt der Kinos, der Ausstellungen, der langen Spaziergänge und – um niemandem zu nahe zu treten, sagen wir: Ulan Bator – erleben kann. Man fühlt sich, nein: nicht „Berlin“ – sondern gut, man steht auf Berlin und erinnert sich wieder daran, warum man mal gerne hierher gekommen ist.

Dieses Gefühl verschenkt die Stadt nur im Sommer. Und nur in den großen Ferien. Nur auf dem Höhepunkt der Reisewelle. Und wenn man es fühlt – ist es schon fast vorbei.

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