Berlin : Die Leichen-Show

Brandenburgs Ministerien sehen kaum eine Chance, gegen von Hagens „Plastinarium“ einzuschreiten

Thorsten Metzner

Brandenburgs Landesregierung sieht bislang keine Handhabe, gegen das umstrittene „Plastinarium“ des Leichenkonservierers Gunther von Hagens in Guben vorzugehen. Besucher sollen dort für Eintrittsgeld beim Zersägen von Leichen zuschauen können. Die touristisch angelegte Schau-Leichenpräparationswerkstatt, eine Premiere in Deutschland, falle in eine juristische Grauzone, erklärten verschiedene Ministerien. Allerdings will der für Jugendschutz zuständige Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) die Stadtverwaltung Guben auffordern, im Plastinarium wenigstens eine Altersbegrenzung für den Besuch von Kindern durchzusetzen. Bislang haben Jugendliche über 14 Jahre freien Zugang zur Plastinationswerkstatt, Jüngere in Begleitung von Erwachsenen. Falls die Stadt Guben nicht reagieren sollte, sei auch eine Anweisung des Ministeriums denkbar, sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding.

Das Bildungsministerium hatte letzte Woche, als die Kritik über von Hagens’ Projekt immer lauter wurde, für Schulklassen den Besuch der Leichenwerkstatt im Süden Brandenburgs verboten. Die Entscheidung stößt allerdings in Guben, aber auch im zuständigen Landratsamt von Spree-Neiße, auf Unverständnis. „Das sollte man schon Lehrern und Eltern überlassen“, sagte Kreis-Sprecherin Jana Weber. Der Landkreis stehe zu dieser Investition. Man sehe auch keinen Grund, als Kommunalaufsicht einzugreifen. Unterdessen prüft die Cottbuser Generalsuperintendantur der Evangelischen Kirche eine Verfassungsbeschwerde und strafrechtliche Schritte gegen die Einrichtung.

Auch die Herbstsynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hatte die Landesregierung kürzlich aufgefordert, „alle politischen und rechtlichen Möglichkeiten“ zu nutzen, um das Plastinarium zu schließen. Außerdem haben sich das Gubener „Aktionsbündnis Menschenwürde“ und zwei Bürger mit Beschwerden an den Petitionsausschuss des Landtages gewandt. Der Ausschuss habe fünf Ministerien um Stellungnahmen gebeten, sagte dessen Vorsitzender Thomas Domres (Linkspartei). Es sind neben dem Bildungsministerium das für anatomische Sektionen zuständige Gesundheitsministerium, das für Seuchenschutz zuständige Umweltministerium, das Wirtschaftsministerium und das Innenministerium. Antworten liegen noch nicht vor.

Das Innenministerium hatte allerdings bereits vor Wochen geprüft, ob es einschreiten kann. „Wir sehen keine Handhabe“, sagte Sprecherin Dorothee Stacke. Im juristischen Sinne würden in Guben wissenschaftliche Exponate hergestellt. Das Senatsverwaltung für Bildung in Berlin will Schulen den Besuch des Plastinariums nicht verbieten. Sie sollten das selbst entscheiden, sagt Landesschulrat Hans-Jürgen Pokall.

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