Berlin : Die leichte Muse ist ein hartes Geschäft

Die Berliner Vera Bolten und Ulrich Wiggers spielen neben dem Star Uwe Kröger in „Les Misérables“

Björn Seeling

Das Theater hat sie zu Vater und Tochter gemacht: die Berliner Schauspieler Ulrich Wiggers und Vera Bolten. Er spielt im Musical „Les Misérables“ den zwielichtigen Wirt Thénardier, sie seine Tochter Eponine. Die Proben waren eine Herausforderung, weil das Theater zeitgleich umgebaut wurde. Als beide mit der Arbeit an ihren Rollen begannen, war gerade eine winzige Probebühne fertiggestellt, die regelmäßig von den Schlägen des Presslufthammers erbebte. Aber geklagt wird nicht, denn Ulrich Wiggers und Vera Bolten haben es sich so ausgesucht.

Beide wollten unbedingt in dem Musical mitsingen und haben sich gegen hunderte Bewerber durchgesetzt. Beide betonen, dass sie Rollen gefunden haben, die gut zu ihnen passen. „Ich kann eine Menge von mir einbringen“, sagt die 27-jährige Vera Bolten, die schon die Esmeralda in Disneys „Glöckner von Notre Dame“ am Potsdamer Platz gespielt hat. „Eponine passt zu mir. Sie ist mir irgendwie ähnlich: nicht unbedingt schüchtern, aber auch verletzbar und zart.“ Für Ulrich Wiggers stand von Anfang an fest, dass er nur den Part des Wirt Thénardier übernehmen würde. War das nicht gefährlich, sich derart festzulegen? „Ich habe mich direkt für die Rolle beworben und bin genommen worden“, sagt er ganz unaufgeregt. „Es war meine Wunschrolle. Thénardier ist zwar kein strahlender Held, aber gehört zu den Publikumslieblingen.“ Und er ist eine Figur, die dem Schauspieler relativ viel Gestaltungsspielraum lässt.

Wiggers hat davon geträumt, eines Tages bei den „Elenden“ mitspielen zu können. „Ich habe das Stück in London und New York gesehen – jedes Mal war ich tief berührt.“ Eigentlich ein recht ungewöhnlicher Traum: Denn Wiggers kommt aus dem klassischen Fach. 17 Jahre lang spielte der Absolvent der renommierten Folkwang-Hochschule in Essen „nur Shakespeare und Schiller“, wie er sagt. „Ich liebe die Sprache.“ Die Zeit an Schauspielhäusern in Düsseldorf, Bremen und Essen seien seine schönsten Jahre gewesen. Nach den Jahren der schweren Kost setzte er jedoch auf Leichtverdaulicheres: Von 1995 an folgten vor allem Engagements beim Fernsehen. Krimigucker kennen Wiggers beispielsweise aus Hauptrollen im „Tatort“, „Polizeiruf 110“, „Soko Leipzig“ oder „Ein Fall für Zwei“. Dann zwischendurch Kino: In „100 Jahre Brecht“ war er neben Hanne Hiob zu sehen. Und, na klar, den Abba-Fans ist er spätestens seit seiner Rolle als Bill in „Mamma mia" ein Begriff. Bis vor kurzem stand er damit noch auf der Bühne des Operettenhauses in Hamburg. Der Wechsel ins Musicalfach war anfangs nicht so einfach für den gestandenen Schauspieler. „Ich kannte in der Branche keinen Menschen.“

Das Leben für die leichte Muse ist also ein hartes Geschäft – auch körperlich. Zehn Kilo hat Wiggers bei seinem „Mamma mia"-Einsatz abgenommen: „Und die sollen auch nicht wieder rauf!“, sagt er lachend. Wenn „Les Misérables“ startet, dann warten auf ihn und seine Kollegen acht Vorstellungen pro Woche. Nur der Montag ist spielfrei. „An diesem Tag werde ich ganz für mich allein sein“, sagt Wiggers, der nur ein par Straßen vom Theater entfernt wohnt. Seine Kollegin Vera Bolten hat da ganz andere Vorstellungen: Sie reserviert sich den Tag für Moritz, ihr Söhnchen, der im November zwei Jahre alt wird. „Der Junge ist ein richtiges Theaterkind“, sagt sie. Während die Mama für die Eponine probt, passt ein Babysitter auf den Kleinen auf. Denn der Papa wohnt derzeit in Hamburg, wo er in „Mamma mia“ mitspielt.

Star der Inszenierung ist Uwe Kröger, der die Rolle des Inspektors Javert übernimmt. Kröger gilt als wichtigster deutschsprachiger Musical-Sänger, die Mitglieder seines Fanclubs reisen ihm hinterher und sahen ihn zum Beispiel in „Elisabeth“, „Cabaret“ und „Starlight Express“

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