Berlin : Die letzte Hoffnung für suchtkranke Kinder

Ein neues Hilfsprojekt für Minderjährige braucht Unterstützung

Juliane Schäuble

Vor fünf Jahren hatte Jörg Richard eine Idee. Seitdem kämpft der Geschäftsführer der „Karuna-Hilfe für suchtgefährdete und suchtkranke Kinder und Jugendliche e.V.“ um die Verwirklichung seines Vorhabens. Im nächsten Jahr ist es nun endlich soweit: Die Drogen-Entgiftungsstation „Cleanpeace“ für Minderjährige soll eröffnet werden, ein in Berlin einzigartiges Projekt. Der Standort steht noch nicht hundertprozentig fest, aber wahrscheinlich wird Cleanpeace in der Vivantes-Klinik „Wiesengrund“ in Reinickendorf untergebracht werden.

Hier in der Frohnauer Straße sollen dann sowohl für die Entgiftung als auch die nachfolgende therapeutische und pädagogische Betreuung jeweils zehn Betten zur Verfügung stehen. Ziel ist eine zentrale Anlaufstelle, wo geschulte Psychologen und Sozialpädagogen sich gezielt um die sehr jungen Süchtigen kümmern. „Bisher gibt es zwar mehrere Aufnahmen, aber die sind für die minderjährigen Drogenabhängigen nicht geeignet“, kritisiert Richard. Für die Renovierung und Umgestaltung der Räume benötigt Karuna dringend Hilfe und hofft auf Spenden.

Die zwölf Mitarbeiter von Cleanpeace nehmen Drogenabhängige im Alter von 12 bis 18 Jahren auf, begleiten sie während der Entgiftung und vermitteln sie anschließend an die entsprechenden Therapiezentren weiter. Genau an dieser Schnittstelle fehlt nach Ansicht von Richard derzeit eine geeignete Einrichtung. „Berlin ist das Mekka der Szene, hier ist die Not extrem groß.“ Doch bislang landen die Jugendlichen in den regulären Notaufnahmen der Kliniken, aus denen sie oft mit der Begründung abgewiesen werden, sie seien kein akuter Notfall. Auch wenn der Karuna-Geschäftsführer Verständnis für die überlasteten Notaufnahmen hat, fordert er ein Umdenken: „Manche Jüngere suchen das erste Mal Hilfe. Wenn wir sie wegschicken, kommen sie so schnell nicht wieder.“ Wer an die Tür klopfe, sei aber schon ganz unten. Ein zweites Mal gebe es oft nicht. Denn bei der Zielgruppe handelt es sich hauptsächlich um die ganz schweren Fälle: Heroin-, Methadon- und Kokainsucht, nicht selten in der extrem gefährlichen Mischung mit Alkoholmissbrauch. Dazu kommen immer häufiger Selbstverletzungen und Psychosen.

Die meisten haben eine Vorgeschichte: Viele sind schon früh von Verwandten und Bekannten geschlagen und sexuell missbraucht worden. Jetzt werden sie als Süchtige von der Gesellschaft gemieden. „Sie sind so fertig, dass sie den Weg zu uns nicht schaffen. Daher müssen wir sie vor Ort aufnehmen und entsprechend unterbringen können“, sagt Richard. „Vor Ort“ bedeutet in Berlin in der Regel am Alexanderplatz, wo sich die meisten Straßenkinder mit massiven Drogenproblemen aufhalten. Für diese Arbeit gibt es schon das „Karuna-Mobil“, ein zweites wird aber dringend benötigt. Auch hierbei ist Karuna auf Spenden angewiesen.

Hauptanliegen von Cleanpeace ist es, die Jugendlichen zu motivieren, Entzug und Therapie durchzuhalten. „Wenn wir ihnen nicht so früh wie möglich helfen und zeigen, dass es auch Schönes im Leben gibt, sehen wir sie immer wieder“, prophezeit Richard.Wer sich für Geschichten von Betroffenen interessiert, sollte am kommenden Mittwoch ins Maxim-Gorki-Theater gehen. Ab 19.30 Uhr werden zugunsten von Karuna unter anderen Doris Dörrie, Esther Schweins und Detlev Buck Gedichte und Biographisches von Sucht- und Straßenkindern vorlesen.

Spenden an: Spendenverein Der Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Konto-Nr. 250030942, Berliner Sparkasse, Blz. 100 500 00. Bitte geben Sie Namen und Anschrift komplett an, damit wir Ihnen den Spendenbeleg zuschicken können. Auch Online-Banking ist möglich.

Mehr über Karuna und Cleanpeace unter: http://home.snafu.de/karuna /.

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