Berlin : Die letzte Runde

Weil der Eishockey-Drittligist Berlin Capitals seit zwei Monaten kein Gehalt zahlt, denken die Spieler über einen Streik nach

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin. Aus Amerika kennt man das. Professionelle Sportler streiken. In Deutschland wäre das neu. Die Halbprofis des Eishockey-Drittligisten Berlin Capitals denken über eine solche Maßnahme nach. Seit zwei Monaten haben sie kein Gehalt mehr bekommen. Sollte in der nächsten Woche kein Geld überwiesen werden, wollen sie nach Informationen des Tagesspiegel dem Vorstand ein Ultimatum stellen. Motto: Entweder ihr zahlt oder wir spielen nicht.

Zu oft schon wurden den Spielern Versprechungen gemacht, die am Ende nicht eingehalten wurden. Vor drei Wochen trat ein Vertreter des Hauptsponsors der Capitals vor die Mannschaft und versprach eine stattliche Geldspende, die für einen Großteil der ausstehenden Gehälter reichen sollte. In der vergangenen Woche mussten die Vorstandsmitglieder Klaus-Werner Riemer und Marian Czechowski dem Team dann erklären, weshalb nichts von dem Geld bei den Spielern angekommen ist. Es handele sich leider um ein Missverständnis, da die Spende zur Deckung der Finanzlöcher in Höhe von 150 000 Euro benötigt würde. Grund für die Schulden seien vor allem ausbleibende Sponsorengelder.

Bei derartigen Schwierigkeiten ist es kein Wunder, dass es auch sportlich nicht gut läuft. Das Saisonziel, Platz fünf, der zur Teilnahme an der Meisterrunde berechtigt hätte, wurde verfehlt. Stattdessen spielen die Berliner nun in der Abstiegsrunde. Der Auftakt am vergangenen Freitag in Füssen ging mit 0:3 verloren. Die fehlenden Gehaltszahlungen wirken sich möglicherweise negativ auf die Motivation der Spieler aus. „Das glaube ich absolut nicht“, sagt Präsident Lorenz Funk trotzig. Trainer Andreas Brockmann hingegen kann sich das schon eher vorstellen: „Wenn derartige Probleme über einen so langen Zeitraum bestehen, dann zerrt das schon an den Nerven der Spieler.“

Zu allem Unglück kam am Freitag dann noch Pech dazu, als sich Kapitän und Topscorer Jan Schertz verletzte. Wie lange er fehlen wird, ist noch nicht absehbar. Nach dem Weggang des ehemaligen Kapitäns Marco Rentzsch vor drei Wochen fehlen dem Klub nun die beiden Spieler, die in der Vorrunde insgesamt an 72 der 101 erzielten Tore beteiligt waren.

„Jetzt müssen die jungen Spieler halt mehr Verantwortung übernehmen. Die Situation ist für alle nicht einfach“, meint Trainer Brockmann. Und: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht absteigen.“ Doch auch wenn der Oberligist die Klasse halten sollte, ist noch längst nicht klar, wie es in der nächsten Saison weitergehen kann. Die Umstrukturierung des Vereins in eine Vermarktungsgesellschaft ist derzeit in Planung. „Das wird alles vorbereitet“, sagt Präsident Funk zurückhaltend.

Am gestrigen Sonntag ging es dann immerhin wieder um Eishockey bei den Capitals: Die Berliner besiegten in der Deutschlandhalle den TEV Miesbach deutlich mit 6:3. Da von den zehn Teilnehmern der Abstiegsrunde nur die schlechteste Mannschaft aus der Oberliga absteigt, war der Sieg zumindest in sportlicher Hinsicht ein wichtiger Schritt für eine bessere Zukunft.

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